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Steirerland im Arbeitsg'wand

Universalmuseum Joanneum/Museum für Geschichte

Die Ausstellung (Museum für Geschichte, 14.09.2019 bis 19.01.2020)

Politische und gesellschaftliche Umbrüche, technischer Fortschritt sowie wirtschaftliche Krisen und Chancen haben die Arbeitswelt stetig verändert. Über 300 Fotografien vom „Arbeiten" und „Wirtschaften" in der Steiermark von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Jahrtausendwende zeichnen diese Entwicklung nach.

Schon um 1900 zählte die Steiermark zu den industriellen Kernzonen der Habsburgermonarchie. In Fabriken gaben Maschinen den Rhythmus vor, Produktivität wurde in vielen Betrieben zum wichtigen Schlagwort. Manche Berufe und Branchen verschwanden nun, andere sind erst als Folge des Strukturwandels entstanden. Die neuen Produktions-
und Arbeitsverhältnisse wirkten sich massiv auf die Steirer/innen aus. Ein zähes Ringen um den Wohlfahrtsstaat begann.

Die Entwicklung von Handwerk und Gewerbe, Industrialisierung und Automatisierung sowie die Veränderung von arbeits- und sozialrechtlichen Rahmenbedingungen werden ebenso beleuchtet wie die Geschichte von „After Work" und „Work-Life-Balance".

Aufnahmen von Politikerinnen und Politikern bei der Arbeit - „mit Spaten und Schere" - deuten die Wechselwirkung von Politik und Wirtschaft an.

Das Projekt „Landesaufnahme - Steirische Wirtschaftsgeschichte in medienhistorischen Artefakten seit 1850" untersuchte den wirtschaftshistorischen Bilderkanon des Landes. Dabei bot sich die Gelegenheit, auch in Archive von weniger bekannten Unternehmen sowie in Familienalben traditionsreicher Klein- und Mittelbetriebe zu blicken. Dort fanden sich professionelle Fotografien ebenso wie Fotos von sogenannten „Knipserinnen und Knipsern".

Die Ausstellung zeigt ein großes Spektrum: Es reicht von Pionierleistungen bis hin zur täglichen Arbeit in Geschäften, Büros, Werkstätten und Fabriken. Die Steirerinnen und Steirer im Arbeitsg'wand, „Hackler" und „Schmelzer" an den Hochöfen, Knappen in den Braunkohlerevieren, „Sortierfrauen" am Fließband sowie Wagner, Fassbinder, Hutmacher und Raseure stehen dabei ebenso im Fokus wie Erdölbohrversuche, die ersten Tetrapaks oder die Entwicklung eines Solarautos „made in Styria".

Alle gezeigten Fotos sind digitale Reproduktionen aus Firmenarchiven - ergänzt um Bestände aus privaten und öffentlichen Sammlungen.

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Bäckerei Stadler in Kindberg, 1963 © Johann Wurzinger, Privatbesitz Johann Wurzinger
Bäckerei Stadler in Kindberg, 1963
© Johann Wurzinger, Privatbesitz Johann Wurzinger

Das zugrunde liegende Forschungsprojekt (Universalmuseum Joanneum, 2016 bis 2018)

Im Rahmen des Projekts „Landesaufnahme - Steirische Wirtschaftsgeschichte in medienhistorischen Artefakten seit 1850", gefördert vom Land Steiermark, Referat Wissenschaft und Forschung, setzten die Multimedialen Sammlungen am Universalmuseum Joanneum 2017/18 mit ihren Partnerinnen und Partnern ihre (medien-)geschichtliche Spurensuche in den steirischen Regionen fort. Die „Landesaufnahme II" knüpfte somit an die Idee des 2016 erfolgreich abgeschlossenen Projekts „Landesaufnahme I - Rettung des steirischen analogen fotografischen und audiovisuellen Erbes" an. Im Fokus standen diesmal analoge fotografische und audiovisuelle Zeugnisse zur steirischen Wirtschafts- und Industriegeschichte seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Dabei waren Foto-, Film-/Video- und Tondokumente von bestehenden Industrieleitbetrieben und traditionsreichen Gewerbeunternehmen genauso von Interesse wie jene bereits „verschwundener" Wirtschaftsbetriebe und/oder längst „abgekommener" Wirtschaftszweige.

Zudem unterstützte das Projekt die Erschließung und qualitative Entwicklung der Foto-, Film- und Tonbestände in den Multimedialen Sammlungen, die mit ihren 2,5 Millionen Objekten zu den bedeutendsten fotografischen und audiovisuellen Sammlungen Österreichs zählen.

Ausgewählte Ergebnisse wurden in Form einer laufenden Projektdokumentation im Internet präsentiert bzw. fließen nun in die Ausstellung „Steirerland im Arbeitsg'wand. Bilder einer Wirtschaftsgeschichte" ein.

 In einem ersten Projektabschnitt wurden Firmenarchive bzw. im Falle nicht mehr bestehender Unternehmen auch private und öffentliche Sammlungen geortet. In Kooperation mit der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und dem Institut für Geschichte, Fachbereich Zeitgeschichte, der Karl-Franzens-Universität Graz wurden hierfür Betriebe aus verschiedenen Wirtschaftszweigen in allen steirischen Bezirken (mit Ausnahme der Landeshauptstadt Graz) ausgewählt und um Projektteilnahme angefragt.

Kern des Projekts war eine zahlenmäßige und inhaltliche Erfassung der analogen wirtschaftshistorischen Foto-, Film-/Video- und Tonbestände.

 In einem zweiten Projektabschnitt konnte parallel dazu in zwei weststeirischen Bezirken eine neue Art der Wissensgenerierung erprobt werden:

Gemeinsam mit dem Verein „Inspire thinking" wurden die Bezirke Deutschlandsberg und Voitsberg unter Anwendung beteiligungsorientierter und interdisziplinärer Methoden einer kulturwissenschaftlichen Tiefenbohrung unterzogen. Dabei war das Ziel, eine Verbindungslinie zwischen Industrie- und Wirtschaftsgeschichte auf der einen Seite und aktuellen regionalpolitischen Entwicklungen auf der anderen Seite herzustellen. Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung gingen wir u. a. folgenden Fragen nach: Welche Auswirkungen hatten die Veränderungen von Wirtschaft und Industrie in den Bezirken Voitsberg und Deutschlandsberg in den letzten zwei Jahrhunderten? Wie hat sich dies in den Naturraum und die Menschen, die diesen Raum bewohnen, eingeschrieben? Welche Spuren, auch baulicher Natur, haben Gewerbe und Industrie hinterlassen? In welcher Form präg(t)en Industrie, Wirtschaft und Arbeit die regionalen Identitäten?

 

Arbeiter der Mosdorfer-Schmiede in Weiz, 1930er Jahre © Fotograf/in unbekannt, Archiv Knill Grupppe
Arbeiter der Mosdorfer-Schmiede in Weiz, 1930er Jahre
© Fotograf/in unbekannt, Archiv Knill Grupppe
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