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"Alt und Neu - Tradition und Avantgarde"

3. Ausschreibung (2016) in der Reihe 'Polaritäten in der Wissensgesellschaft'

Download: Ausschreibung 2016 © Anita Rupprecht
Download: Ausschreibung 2016
© Anita Rupprecht

Der im Zeitraum vom 22. April bis 23. Juni 2016 veröffentlichte Call war dem Thema "Alt und Neu - Tradition und Avantgarde" gewidmet. Die in förderungstechnischer Hinsicht (formell) geprüften Einreichungen wurden am 4. Juli 2016 zur inhaltlichen Begutachtung an die 3köpfige Expertenjury übergeben, um am 6. Oktober 2016 einer gemeinsamen Beurteilung und einem abschließenden Auswahlverfahren unterzogen zu werden. 10 Forschungsprojekte der Karl-Franzens-Universität Graz, der FH JOANNEUM Gesellschaft mbH und der Universalmuseum Joanneum GmbH gingen als Siegerprojekte hervor; sie wurden von der Jury als exzellente, teilweise sogar als prädestinierte internationale ‘Hot Spots‘ für die Steiermark eingestuft.

Die Siegerprojekte

Besonders interessant stellt sich die Vielfalt der an der Ausschreibung beteiligten Disziplinen dar: von Kunst- und Kulturwissenschaften und klassischen geisteswissenschaftlichen Fächern (zB Soziologie, Erziehungs-und Bildungswissenschaften, Zeitgeschichte) über Wirtschafts- und Finanzwissenschaften, Psychologie und Ernährung bis hin zu Medizindidaktik reichte das Spektrum der Einreichungen. Im Zuge der Ausschreibung wurden institutionelle und inhaltliche Kooperationen mit international renommierten Universitäten und regionale und überregionale Partnerschaften aufgebaut.

Der Call verzeichnete 30 Projektanträge mit einem Kostenvolumen von insgesamt EUR 3,275.668,48 und einem Gesamtförderungsbedarf von EUR 2,850.028,87. Die Ausschreibung war/ist mit EUR 900.000,00 dotiert. Es handelte sich 2016 um die dritte Ausschreibung in der bislang erfolgreichen Reihe Polaritäten in der Wissensgesellschaft.


Über die Ausschreibungsreihe
Thema der 3. Ausschreibung
Leitmotive und Ziele
Ausschreibung und Einreichung: 22. April bis 23. Juni 2016, 12:00
Berichterstattung, Nachweise
Kontakt/Referentin

Die Siegerprojekte in ALPHABETISCHER REIHUNG)

"Bio hoch 3 (Bio3). Traditionelles Wissen, biologische Landwirtschaft und avantgardistische Lebensstile"

Projektträger: Karl-Franzens-Universität Graz (Erziehungs- und Bildungswissenschaft & Humangeographie und Raumforschung & Fachdidaktik & Volkskunde und Kulturanthropologie)
Projektleiterin: Priv.-Doz.in Dr.in Gabriele Sorgo (Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie)

Inhaltliche Partner: SOLAKO - Solidarische Landwirtschaftskooperation Steiermark, Kasseler Institut für Ländliche Entwicklung, Umwelt-Bildungs-Zentrum Steiermark, Verein Arche Noah, Verein Kulinarische Erben der Alpen, AMA Marketing

Das Forschungsprojekt fragt nach den zentralen funktionalen Merkmalen und nach dem Erfahrungswissen der alten bäuerlichen Landwirtschaft, um festzustellen, ob und wie Altes in eine neue Form von Landwirtschaft integriert werden kann oder soll, die an vielen Orten im Entstehen ist (z. B. Selbsterntefelder, Community Supported Agriculture, Wiederbelebung regionaler Produkte und Produktionsweisen) und landwirtschaftliche Betriebe für junge Menschen wieder attraktiv macht. Anhand genauer Fallrekonstruktionen einzelner biologisch wirtschaftender Betriebe der Steiermark werden Kriterien erarbeitet, die helfen sollen, die Balance zwischen Gewinnorientierung und Nonmarket Trade (gemeinwohlorientierte und traditionelle mikroökonomische Praktiken und Lebensstile) festzulegen.

Insgesamt leistet das Projekt einen Beitrag zur Grundlagenforschung im Feld der Bildung für nachhaltige Entwicklung, hat starken Bezug zur Steiermark und ist besonders anwendungsorientiert konzipiert. Im Gegensatz zum bio-ökonomischen Paradigma, das biologische Lebensmittel in den Weltmarkt integriert und konventionalisiert, sollen Ergebnisse dieses Projekts das öko-ökonomische Paradigma stärken (Einbettung von Menschen und Lebensmittel in traditionelles und lokal gebundenes Erfahrungswissen). Die enge Verknüpfung von biologischer Landwirtschaft mit körpergebundenem Erfahrungswissen einerseits und gemeinwohlorientierten, mikroökonomischen Handlungsmustern andererseits sollen sichtbar werden. Dementsprechend liegt die Wertschöpfung für den Standort Steiermark in den durch die Forschung angeregten Netzwerken zwischen ErzeugerInnen in ihrer lokalen Kultur und mit ihren lokalen Traditionen einerseits und den Interessensgruppen der Konsumenten andererseits. Die Entwicklung spezifischer Lernsettings für die Anerkennung der kulturellen Einbettung und für die Weitergabe von embodied knowledge soll die Chancen zukünftiger LandwirtInnen auf wirtschaftlichen Erfolg und die Chancen der KonsumentInnen auf vertrauenswürdige Lebensmittel von hoher Qualität (Bio3) in den durch die Ergebnisse des Projekt zu fördernden communities of practice ermöglichen.

„Die Karl-Franzens-Universität Graz 1945-1955. Neubeginn und/oder Kontinuitäten"

Projektträger: Karl-Franzens-Universität Graz (Jüdische Studien & Gesellschafts-/Kultugeschichte)
Projektleiter: Assoz.-Prof. Mag. Dr. Gerald Lamprecht (Centrum für Jüdische Studien)

Inhaltliche Partner: Ludwig-Boltzmann-Institut für Gesellschafts- und Kulturgeschichte, CLIO - Verein für Geschichts- und Bildungsarbeit, Zentrale österreichische Forschungsstelle Nachkriegsjustiz

Mit dem Mai 1945 kam es nicht nur zur Neugründung der Republik Österreich nach den Jahren des nationalsozialistischen Terrors sondern auch zu einer demokratischen Neugründung/Reorganisation der österreichischen Universitäten und damit auch der Karl- Franzens-Universität Graz. Eine der zentralen und zugleich schwierigsten Aufgaben war es dabei, die Institutionen und Gremien von den nationalsozialistischen Strukturen ebenso wie von den nationalsozialistischen AkteurInnen zu befreien und ein demokratisches, universitäres Selbstverständnis und demokratische Strukturen zu etablieren.

Das Projekt befasst sich mit den für den demokratischen Wiederaufbau der Karl-Franzens-Universität Graz entscheidenden Jahren 1945 bis 1955 und untersucht erstmals systematisch und auf einer umfassenden Quellenbasis, wie dieser Prozess vor sich ging. Es fragt nach Brüchen und Kontinuitäten auf institutioneller als auch personeller Ebene, wobei der von der Republik Österreich ebenso wie den Besatzungsmächten betriebene Prozess der sogenannten „Entnazifizierung" im Zentrum steht.

„Etablierung eines Mittelalterlabors an der Universität Graz: Digitale, fachwissenschaftliche und wissenschaftskommunikatorische Aufbereitung der Handschrift Graz, UB, Ms. 1609

Projektträger: Karl-Franzens-Universität Graz (Informationsmodellierung & Gesellschaft, Wissen und Kommunikation/Die 7. Fakultät)
Projektleiter: Mag. Dr. Helmut W. Klug (Zentrum für Informationsmodellierung)

Inhaltliche Partner: Verein KuliMa, Max-Planck-Institut für Polymerforschung Mainz

Regionale Ernährung, nachhaltige Lebensweise und Gesundheitsprophylaxe sind für die Stei­rerInnen des 21. Jahrhunderts von großer Bedeutung und nehmen in der öffentlichen Diskussion gerade breiten Raum ein. Das war aber auch im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit so, denn diese Thematik hat in der Sachliteratur aus dieser Zeit einen zentralen Stellenwert, wie z.B. in der Handschrift Ms. 1609 der Grazer Universitätsbibliothek aus dem späten 15. Jahr­hundert. Regionale Ernährung, nachhaltige Lebensweise und Gesundheits­prophylaxe haben also einen starken Bezug sowohl zu einem modernen als auch historischen Lebensalltag. Diese Themen werden im vorliegenden Projekt auf Basis von germanistisch-mediävistischen und naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen aufbe­reitet und einer breiten Öffent­lichkeit nähergebracht. Die Vermittlung dieser altes und neues Wissen verbindenden Inhalte erfolgt anhand der im Projekt entwickelten praktischen Kurse. Auf Basis der spätmittelalterlichen Hand­schrift werden vier Module zur laiengerechten Wissensvermittlung und praktischen Anwen­dung entwickelt: Ernährung, Medizin, Nach­haltigkeit, Mentalität. Diese Module bilden ein weiteres Mitmachlabor der Geisteswissen­schaften an der Universität Graz, indem altes Wissen wissenschaftlich fundiert für moderne RezipientInnen dargestellt wird.

„Green Care - Innovative Sozialprojekte am Bauernhof"

Projektträger: Karl-Franzens-Universität Graz
Projektleiter: Univ.-Prof. Dr. Franz Höllinger, Instiut für Soziologie

Die inhaltlichen Partner werden in Kürze ergänzt.

Im Zentrum dieses Forschungsvorhabens stehen rund 150 landwirtschaftliche Betriebe in der Steiermark, die die traditionelle bäuerliche Wirtschaftsform mit dem innovativen Green Care-Ansatz (Gesundheits-, Bildungs- und Sozialprojekte in und mit der Natur) kombinieren. Wir gehen der Frage nach, welche sozio-ökonomischen und familiären Voraussetzungen für die Realisierung von Green Care auf landwirtschaftlichen Betrieben förderlich sind und welche Vor- und Nachteile diese Form der Erwerbskombination für landwirtschaftliche Betriebe sowie für die Green-Care PartnerInnen mit sich bringt. Parallel dazu werden die rechtlichen Rahmenbedingungen rund um Green Care analysiert. In der zweiten Projektphase wird aufgezeigt, wie Green Care-Konzepte in die Praxis umgesetzt und von den beteiligten AkteurInnen beurteilt werden. Mit dem Forschungsprojekt soll ein Beitrag zur Erleichterung der Umsetzung des zukunftsweisenden Betriebskonzepts Green Care geleistet und der Weg zu innovativen Erwerbskombinationen in der steirischen Landwirtschaft geebnet werden.

„Jugendliche im Spannungsfeld zwischen traditionellen und modernen Kulturen. Wechselseitige Anerkennung als zentrale Ressource für einen gelingenden Aufbau einen neuen Miteinanders"

Projektträger: Karl-Franzens-Universität Graz (Soziologie & Erziehungs- und Bildungswissenschaft)
Projektleiterin: Univ.-Prof.in Dr.in Johanna Muckenhuber, Institut für Soziologie

Inhaltliche Partner: FH JOANNEUM GmbH (Soziale Arbeit), Verena Kiegerl - Interaktives Kinder- und Jugendtheater 

Das Projekt JuKult verfolgt das Ziel, zentrale Konfliktfelder und Chancen interkultureller Lebenswelten steirischer SchülerInnen mit und ohne Migrationshintergrund zu erfassen. Hierbei kommt der Analyse des Spannungsfeldes der Identitätsbildung zwischen alter, neuer und gemeinsamer Kultur, zwischen traditionellen Elementen und Herausforderungen einer jugendlichen Avantgarde besondere Bedeutung zu. Im Rahmen von Theaterworkshops erhalten Jugendliche die Möglichkeit, ihre Selbst- und Fremdwahrnehmung zu schärfen, spielerisch in andere Rollen zu schlüpfen und andere Perspektiven einzunehmen. Die Inkludierung von Lehr- und Betreuungspersonen komplettiert das Forschungsfeld. Mittels der Anwendung kreativer sozialwissenschaftlicher Forschungsmethoden werden die Einstellungen und Werte der Jugendlichen, aber auch ihrer sozialen Netzwerke (real und internetbasiert) auf ihre Hemmmechanismen und ihre Wandlungsfähigkeit hin überprüft und interpretiert.

„Kleider machen Leute oder: Gegenwartskunst zwischen ars und techne. Zur herausragenden Bedeutung der Kunstproduktion der Steiermark für Relational Aesthetics im internationalen Kunstkontext. Ein Projekt zur Erschließung eines Desiderats für gegenwärtige Kunstgeschichtsschreibung

Projektträger: Karl-Franzens-Universität Graz (Kunstgeschichte & Soziologie)
Projektleiterin: Univ.-Prof.in Dr.in Sabine Flach (Institut für Kunstgeschichte)

Inhaltliche Partner: werden noch bekannt gegeben

Das Forschungsprojekt hat eine umfangreiche Erforschung der Relational Aesthetics im Land Steiermark zum Ziel. In einer Kooperation des Instituts für Kunstgeschichte (Sabine Flach) mit kunst- und kulturwissenschaftlich tätigen Einrichtung und Ausstellungsbetrieben wird das Kunst-Klleiderprojekt im Sinne von science goes public entwickelt und kunstwissenschaftlich im Rahmen einer Dissertation und einer Masterarbeit verortet, wobei die Signifikanz der Steiermark für die Relational Aesthetics ausgelotet wird. Des Weiteren wird die Bedeutung des Projekts für gelungene Integration von Menschen in Transit in der Steiermark in einer Zusammenarbeit mit dem Institut für Soziologie (Stephan Möbius) untersucht. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden im Rahmen einer Konferenz mit internationalem Fachpublikum präsentiert. In einer Kooperation des Projekts mit international renommierten KünstlerInnen werden außerdem projektbegleitend zwei Ausstellungen realisiert. Durch die regionale, nationale und internationale Vernetzung des Forschungsprojekts wird somit die herausragende Bedeutung der Kunstproduktion der Steiermark für die Relational Aesthetics im internationalen Kunstkontext sichtbar.

„Kleinbauernhof im 21. Jahrhundert: Stadt - Land neu belebt"

Projektträger: FH JOANNEUM Gesellschaft mbH (Nachhaltiges Lebensmittelmanagement & Angewandte Produktionswissenschaften & Architektur und Management ARC)
Projektleiterin: Dipl.-Ing.in Dr.in Ulrike Seebacher MSc (Nachhaltiges Lebensmittelmanagement)

Inhaltlicher Partner: StadtLABOR Graz

Die steirische Landwirtschaft ist klein strukturiert. Die Tendenz zu größeren Betrieben setzt sich jedoch fort, ebenso wie das sogenannte Bauernsterben. Gleichzeitig ist der Trend zur Urbanisierung eine große Herausforderung für die Lebensmittelnahversorgung.

Das Forschungsprojekt Bauernhof 21 zielt darauf ab, den traditionellen Bauernhof zukunftsfit für das 21. Jahrhundert zu machen. Es werden übertragbare kleinräumige Bauernhofmodelle für den urbanen Raum identifiziert und soziale Innovationen (Produktion, Produkte, Organisation, Kooperations- und Geschäftsmodelle) angeregt. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei darauf, landschaftsprägende Strukturen zu bewahren und Altbewährtes neu zu interpretieren.

Das Projekt integriert mit Soziologie, Organisationsentwicklung, Beteiligung/Partizipation und Begleit-Evaluierung verschiedene Methoden und Expertisen der Sozialwissenschaften und kombiniert diese mit der kulturellen und kunsthistorischen Perspektive der Architekturwissenschaften. Darüber hinaus finden Biowissenschaften, Innovations- und Nachhaltigkeitsforschung Berücksichtigung.

Nach einer Ist-Analyse zur aktuellen Situation und den Bedürfnissen von bäuerlichen AkteurInnen werden innovative Good-Practice Beispiele für die Bereiche Lebensmittelproduktion, Arbeiten und Wohnen, Kooperations- und Geschäftsmodelle, Gebäude und Raumplanung aufbereitet und in einer Fallstudie beispielhaft für einen Pilotbetrieb umgesetzt. Ein abschließender Fachworkshop verbreitet die Erkenntnisse und evaluiert die Transferpotenziale.

„Kryptowährungen - Digitale Transaktionen - Staatliche Transformationen"

Projektträger: Karl-Franzens-Universität Graz
(Finanzrecht & Finanzwissenschaft & Öffentliche Wirtschaft) 
Projektleiterin: Univ.-Prof.in Dr.in Tina Ehrke-Rabel (Institut für Finanzrecht)

Inhaltliche Partner: Universität für Bodenkultur Wien (Rechtswissenschaften), Technische Universität München / TUM School of Management

Kryptowährungen sind digitale Zahlungsmittel und treten neben dem "alten" Zahlungsmittel Bargeld als "neue" Währungen auf. Bitcoin, die bislang bekannteste dezentrale Kryptowährung, etabliert sich seit 2009 zunehmend als Zahlungsmittel und spekulative Finanzanlage.

Kryptowährungen sind für sich genommen gesellschaftlich herausfordernde Innovationen. Die Koexistenz traditioneller und moderner (digitaler) Zahlungsmittel führt zu Spannungen. Wenn dezentral organisierte Kryptowährungen beginnen, wie traditionell zentral organisiertes Geld verwendet zu werden und Bargeld mittel- bzw. langfristig verdrängen, dann transformiert dies den Staat. Individuelle Freiheiten und gesellschaftliche Mitsprachemöglichkeiten verändern sich, bewährte Mittel des Staates zur Regelung des gedeihlichen gesellschaftlichen Zusammenlebens sowie zur Sicherung der Finanzierung von Staatsaufgaben (v.a. sozialer Wohlfahrt) können unwirksam werden.

Das Recht ist auf diese Entwicklungen unzureichend vorbereitet. Das vorliegende Projekt zielt darauf ab, technologisch indizierte staatliche Transformationen aufzuzeigen und neue Regulierungsmodelle für dieses Phänomen zu entwickeln.

Landesaufnahme: Steirische Wirtschaftsgeschichte in medienhistorischen Artefakten seit 1850"

Projektträger: Universalmuseum Joanneum GmbH

Projektleiter: Mag. Heimo Hofgartner

Inhaltliche Partner: Inspire thinking, Verein für Bildung und Management, Karl-Franzens-Universität Graz (Geschichte/Zeitgeschichte)

Entsprechend ihres auf Erzherzog Johann zurückgehenden Gründungsauftrages begeben sich die Multimedialen Sammlungen am Universalmuseum Joanneum gemeinsam mit ihren KooperationspartnerIinnen im Projekt „Landesaufnahme: Steirische Wirtschaftsgeschichte in medienhistorischen Artefakten seit 1850" auf eine historische und aktuelle Spurensuche: Im Fokus stehen analoge fotografische und audiovisuelle Zeugnisse zur steirischen Wirtschafts- und Industriegeschichte seit der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Im ersten Teilprojekt werden die Archive steirischer Industrieleitbetriebe und traditionsreicher Gewerbeunternehmungen, aber auch solche bereits verschwundener Unternehmen recherchiert, geortet, systematisch erfasst und verzeichnet. In Kooperation mit der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und dem Institut für Geschichte, Fachbereich Zeitgeschichte (Karl-Franzens- Universität Graz) werden dafür verschiedene Wirtschaftszweige bzw. Regionen ausgewählt und bearbeitet.

Im zweiten Teilprojekt soll in zwei weststeirischen Bezirken eine neue Art der Wissensgenerierung und Sammlungsentwicklung erprobt werden. Auf Basis der 1) fotografischen und audiovisuellen Archivbestände sowie 2) der begleitenden zeithistorischen Forschung sollen gemeinsam mit dem Verein inspire thinking Stadtspaziergänge, Begehungen, Workshops etc. organisiert werden mit dem Ziel, die sich außerhalb der Archive befindlichen Spuren, Objekte und Erzählungen zur regionalen Wirtschaftsgeschichte gemeinsam mit der Bevölkerung sowie ExpertInnen aus regional verankerten Institutionen wie Arbeiterkammer, AMS, WKO und verschiedenen Frauenorganisationen zu dokumentieren und ins öffentliche Bewusstsein (zurück) zu bringen. Der Bezug zu aktuellen regionalpolitischen Entwicklungen soll durch z.B. Betriebsbesuche oder die Einbeziehung von statistischen Darstellungen möglich werden, die aktuelle soziodemografische Entwicklungen (auch in Hinblick auf Zuwandernde) im Kontext Arbeit, Wirtschaft und Bildung abbilden und in Kombination mit den historischen Quellen Verläufe und Entwicklungen sichtbar machen.

Die Ergebnisse des Projekts werden in Form einer Ausstellung, einer Dokumentation im Internet sowie einer Publikation der Öffentlichkeit präsentiert.

"Transformation des traditionellen Ehrenamtes zu neuen Formen des freiwilligen Engagements. Herausforderungen, Möglichkeiten und Innovationen aus einer partizipativen Crowd-Solution-Perspektive"

Projektträger: Karl-Franzens-Universität Graz
(Erziehungs- und Bildungswissenschaft & Sportwissenschaft und Public Health)
Projektleiter: Univ.-Prof. Dr. Arno Heimgartner (Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft)

Inhaltliche Partner: Technische Universität Graz (Lehr- und Lerntechnologie & Informationssysteme & Computer Medien), Verein IKEMBA - Verein für Interkultur, Konfliktmanagement und Empowerment, Mehrgenerationenhaus Waltendorf - Initiative des Schutzvereins Ruckerlberg u. Umgebung

Freiwilliges Engagement zählt zu einer zentralen Ressource einer demokratischen und partizipativen Gesellschaft. Aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen ist innerhalb dessen ein Wandel zu erkennen, welcher sich im Wechsel von traditionellen Vereinstätigkeiten hin zu neuem, projektbezogenem und situativem Engagement zeigt. Aufgrund der Bedeutung des neuen Engagements zur Bewältigung gesellschaftlicher Probleme scheint es notwendig, herauszufinden, welche Themen und Herausforderungen darin stecken, um daraufhin innovative und unkonventionelle Lösungswege zu finden.

Durch einen partizipativen und praxisorientierten Forschungszugang mittels Forschungswerkstätten mit freiwillig Engagierten sowie der Entwicklung einer ressourcenorientierten Crowd-Solution-Software soll das Forschungsprojekt insgesamt zur Findung innovativer Lösungsvarianten für gesellschaftliche Probleme im und durch neues freiwilliges Engagement in der Steiermark beitragen.

Über die Ausschreibungsreihe

Die Stärke der anwendungsorientierten Forschung in der Steiermark darf das Bewusstsein und die Bemühung um die interdisziplinäre Viefalt des Wissenschaftsstandortes nicht schmälern. Und keinesfalls darf auf die Heterogenität und die unterschiedlichen Anforderungen und Kulturen einzelner Wissenschaftsdisziplinen vergessen werden.

Die im Jahr 2014 gestartete Ausschreibungsreihe Polaritäten in der Wissensgesellschaft unternimmt den Versuch, sich der aktuellen Herausforderungen (Abkehr vom linearen Förderungsmodell; effiziente gebündelte Zuteilung öffentlicher Förderungsmittel) anzunehmen und dabei der Besonderheiten und Potenziale der Geistes-, Sozial- und Kunst-/Kulturwissenschaften (kurz: GSK) am Standort Steiermark dennoch immer bewusst zu sein. Gerade die GSK übernehmen eine wichtige Funktion im Hinblick auf die gesellschaftliche, kulturelle und demographische Entwicklung unseres Landes, sie erheben kritische Stimmen und sind in der Lage, Lösungsansätze für gesellschaftliche Problemstellungen zu entwickeln.

Die in den Jahren 2014 und 2015 veröffentlichten Ausschreibungen erfreuten sich eines großen Zuspruchs. Insgesamt wurden 13 Projektvorhaben mit einem Förderungskontingent in Höhe von € 1,232.340,00 unterstützt (insg. 41 Einreichungen). Im Zuge der Ausschreibungen wurden institutionelle und inhaltliche Kooperationen mit international renommierten Universitäten (zB Rutgers New Jersey, Michigan, Cardiff, Turin, Genf, Gröningen, Budapest) und regionale Partnerschaften (Almenland, Vulkanland, Forschungsinstitut Geragogik, ZEBRA, INITIATIV, Universalmuseum JOANNEUM u.a.) aufgebaut. Dass die in hohem Maße geisteswissenschaftlich orientierten Ausschreibungsthemen ein breites Echo auch der tendenziell anwendungsorientierten Disziplinen (z.B. an der Technischen Universität Graz oder an der Medizinischen Universität Graz) hervorgerufen haben, lässt ein vielfach noch ungenutztes Potenzial an interdisziplinären Lösungsansätzen zu gesellschaftlichen Problemstellungen in der Steiermark vermuten und leitet die Empfehlung ab, die Ausschreibungsreihe im Jahr 2016 fortzusetzen.

Für diese 3. Ausschreibung zum Thema "Alt und Neu - Tradition und Avantgarde" steht ein grundsätzliches Gesamtbudget in Höhe von € 900.000,00 zur Verfügung.

Thema der 3. Ausschreibung (2016): "Alt und Neu - Tradition und Avantgarde"

Polaritäten zwischen „alt und neu“ definieren nicht nur ein historisches Thema, sondern ein aktuelles produktives Konfliktfeld. Gerade die Steiermark ist von Polaritäten zwischen Tradition und Avantgarde, zwischen retardierenden und modernen Tendenzen gekennzeichnet. In diesem Konfliktfeld ergeben sich durchaus Beispiele, in denen Altes und Neues in räumlicher und zeitlicher Nähe zueinander existieren können (Beispiele: „Steirischer Herbst“, „Aufsteirern“). Interessant ist in diesem Kontext die Überlegung, ob sich diese Koexistenz, ohne Leugnung der Spannungen, als Zukunftsmodell nicht nur für die steirische Kunst-/Kultur- oder Architekturszene eignet, sondern auch für gesellschaftliche und/oder politische Prozesse. Muss das Gemeinsame bzw. der gemeinsame Bezugspunkt zwingend „populär“ besetzt sein? Welche Leitbilder, welche intellektuellen und populären Ansprüche wurden (etwa in der Wiederaufbauzeit) und werden heute in die öffentliche Debatte eingebracht? Welchen Stellenwert im heutigen öffentlichen Diskurs haben Schlagworte wie Tradition (zB Schutz und Erhaltung kultureller Güter oder ideeller Werte), Modernisierung und Traditionsbruch?

Leitmotive, Ziele

Entsprechend der Forschungsstrategie des Landes Steiermark wird interdisziplinäre Forschung angeregt bzw. werden Schwerpunkte für ganzheitliche und komplementäre Forschung gesetzt. Dabei sollen insbesondere für die Steiermark relevante Themen bearbeitet und ein Beitrag zur Identitätsstiftung und zur gesellschaftlichen Partizipation geleistet werden. Wissen und Bildung, Lebens-, Arbeits- und Lernwelten des 21. Jahrhunderts, Diversität und Integration sowie Auswirkungen des demographischen und gesellschaftlichen Wandels in der Steiermark sind im Rahmen der Themenstellungen in den Blick zu nehmen und zu bearbeiten.

Das Dachthema Polaritäten in der Wissensgesellschaft (= 3jährige bis mehrjährige Ausschreibungsreihe) dient dabei als Orientierungsrahmen. Die vorhandenen Standortvorteile sind zu nutzen, eine gemeinsame Ausrichtung der Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Bildung zu unterstützen und die Entwicklung von Leitprojekten zu ermöglichen. Universitäten, Fachhochschulen, Hochschulen sowie außeruniversitäre wissenschaftliche Einrichtungen werden ermutigt, sich durch gemeinsame Schwerpunktthemen in den kritischen Diskurs über gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen einzubringen und diese entlang von Kooperationen mitzugestalten.

 

Ausschreibung und Einreichung

Die Förderung wissenschaftlicher Projekte zum Thema "Alt und Neu - Tradition und Avantgarde" wurde im Zeitraum

22. April 2016 bis 23. Juni 2016, 12:00

ausgeschrieben.

Externe Verknüpfung Ausschreibungsdokument [pdf]

Einreichungen waren ausschließlich unter Verwendung der folgenden Formblätter vorzunehmen:

Externe Verknüpfung Inhaltliches Antragsformblatt [docx]

Externe Verknüpfung Kosten-/Finanzierungsplan & Abrechnungsformular [xlsm]
(in der Phase der Antragstellung sind nur PLAN-Kosten und PLAN-Einnahmen zu erfassen).

Der Gesamtantrag war unter Beilage der in dieser Ausschreibung geforderten Unterlagen fristgerecht, unterfertigt durch

  • die Rektorin/den Rektor oder die Vizerektorin/den Vizerektor für Forschung der steirischen Universität bwz. Hochschule bzw. Fachhochschule
  • die Geschäftsführerin/den Geschäftsführer der steirischen Forschungseinrichtung bzw. die Obfrau/den Obmann des in der Steiermark angesiedelten Vereines

einzureichen und in elektronischer Form (unterzeichnetes Antragsformbatt als pdf)

  • per E-Mail oder 
  • bei großer Datenmenge auf CD gebrannt oder einen USB-Stick gespeichert über den Postweg

zu übermitteln an:


Amt der Steiermärkischen Landesregierung
Abteilung 8 Gesundheit, Pflege und Wissenschaft
Referat Wissenschaft und Forschung
Haus der Gesundheit, Friedrichgasse 9, 8010 Graz
anita.rupprecht@stmk.gv.at
wissenschaft-forschung@stmk.gv.at

Nicht unterschriebene bzw. nicht in vorgeschriebener Form zur Vorlage gelangte Anträge können nicht berücksichtigt werden.

Berichterstattung, Nachweise

Die Förderungsnehmerin/Der Förderungsnehmer ist dazu verpflichtet, die widmungsgemäße Förderungsverwendung nachzuweisen, die Projektrealisierung mittels einer inhaltlichen Berichterstattung zu belegen und die zugesprochene Förderung ordnungsgemäß abzurechnen. Die konkreten Bestimmungen werden im Ausschreibungsdokument (III, IV) präzise definiert.

Die Abrechnung erfolgt ausschließlich unter Verwendung des in der Phase der Antragstellung eingereichten, projekteigenen xlsm-Formulars "Kosten-/Finanzierungsplan & Abrechnungsformular". Zu dokumentieren sind nunmehr IST-Kosten und IST-Einnahmen. Insgesamt sollen PLAN- und IST-Daten übereinstimmen (Abweichungen pro Kostengruppe bis maximal 10%)

Das Formular ist in elektronischer Form (unbedingt im Excel-Format) vorzulegen. Das Titelblatt (Tabellenblatt 1) zusätzlich auszudrucken, zu unterzeichnen und gescannt als pdf vorzulegen.

Die maßnahmenverantwortliche Förderungsstelle entscheidet auf Basis dieser Dokumentation über die Quantität und die Auswahl der vorzulegenden Einzelbelege.

Eine Abweichung der tatsächlich anfallenden Kosten von den antragsmäßig veranschlagten Plan-Kosten um mehr als 10% pro Kostengruppe ist, sobald dem Förderungsnehmer bekannt, zu melden.

Sollten sich die tatsächlich angefallenen Kosten (IST) gegenüber den Plan-Kosten um mehr als 10% pro Kostengruppe gesenkt haben und sollte dies nicht gemeldet und von der Abteilung 8 genehmigt worden sein, so reduziert sich die Förderung anteilig im entsprechenden Verhältnis.

Kontakt/Referentin

Mag.a Anita RUPPRECHT
Amt der Steiermärkischen Landesregierung
Abteilung 8 - Gesundheit, Pflege und Wissenschaft
Referat Wissenschaft und Forschung
(Zimmerplatzgasse 13, 8010 Graz)
Postanschrift: Haus der Gesundheit, Friedrichgasse 9, 8010 Graz
E-mail
Tel.: (0316) 877-4672
Fax: (0316) 877-3998
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