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Preisträgerinnen und Preisträger des Forschungspreises des Landes Steiermark

Kontakt

Kontakt: Referat Wissenschaft und Forschung
Abteilung 8 Gesundheit, Pflege und Wissenschaft
Amt der Steiermärkischen Landesregierung
Zimmerplatzgasse 13, 8010 Graz

POSTANSCHRIFT: Friedrichgasse 9, 8010 Graz 

Die Preisträger(innen) des Jahres 2003

  • Forschungspreisträger des Landes Steiermark 2003:

Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Gerhard LITSCHER (Abteilung für Biomedizintechnische Forschung, Universität Graz)

für seine eingereichte Arbeit: „High-Tech Akupunktur® - Computergestützte Objektivierungstechniken der Akupunktur“

  • Förderungspreisträger des Landes Steiermark 2003:

Univ.-Doz. Mag. Dr. Walter KURZ (Institut für Technische Geologie und Angewandte Mineralogie, Technische Universität Graz)

für seine eingereichte Arbeit „The exhumation of eclogite-facies metamorphic rocks – a review of models confronted with examples from the Alps

  • Erzherzog-Johann-Forschungspreisträger des Landes Steiermark 2003:

Franz MANDL

für seine eingereichte Arbeit „Almen im Herzen Österreichs“

Die Preisträger(innen) des Jahres 2004

  • Forschungspreis 2004:

Univ.-Prof. DI Dr. Jakob WOISETSCHLÄGER (Institut für Thermische Turbomaschinen und Maschinendynamik, Technische Universität Graz)

für seine eingereichte Arbeit „Laser optical investigation of turbine wake flow. Stereoscopic particle image velocimetry in a transonic turbine stage. Influence of blade passing on the stator wake in a transonic turbine stage investigated by particle image velocimetry and laser vibrometry

  • Förderungspreis 2004:

Univ.-Prof. Dr. Marianne HILF (Institut für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie, Karl-Franzens-Universität Graz

für ihre eingereichte Arbeit „Die strafrechtliche Verantwortlichkeit von Unternehmen und Verbänden mit Rechtspersönlichkeit in Österreich”

  • Erzherzog-Johann-Forschungspreis 2004:

Vizerektor Univ.-Prof. Dr. Martin POLASCHEK (Institut für Österreichische Rechtsgeschichte und
Europäische Rechtsentwicklung, Karl-Franzens-Universität Graz)

für seine eingereichte Arbeit „Im Namen der Republik Österreich! Die Volksgerichte in der Steiermark 1945 bis 1955“

Die Preisträger(innen) des Jahres 2005

  • Forschungspreis 2005:

Dr. Robert ZIMMERMANN PhD. (Institut für Molekulare Biowissenschaften, Medizinische Universität Graz)

für seine eingereichte Arbeit „Fat Mobilization in Adipose Tissue Is Promoted by Adipose Triglyceride Lipase

  • Förderungspreis 2005:

Univ.-Doz. Dr. Peter FICKERT (Labor für experimentelle und molekulare Hepathologie, Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Medizinische Universität Graz

für seine eingereichte Arbeit „Oncosis represents the main type of cell death in mouse models of cholestasis

  • Erzherzog-Johann-Forschungspreis 2005:

Mag. Dr. Bernd ZECHMANN (Institut für Pflanzenphysiologie, Karl-Franzens-Universität Graz)

für seine eingereichte Arbeit „Changes in the subcellular distribution of glutathione during virus infection in Cucurbita pepo (L)“

Die Preisträger(innen) des Jahres 2006

  • Forschungspreis 2006:

Herr Univ.-Prof. Dr. Alfred WAGENHOFER (Institut für Controlling und Unternehmensführung, Karl-Franzens-Universität Graz)

für seine eingereichte Arbeit „Worldwide Financial Reporting - The Development and Future of Accounting Standards"

  • Förderungspreis 2006:

Frau Univ.-Ass. Dipl.-Ing. Dr. Kristina SEFC (Institut für Zoologie, Karl-Franzens-Universität Graz) für ihre eingereichte Arbeit „Genetic continuity of brood-parasitic indigobird species

  • Erzherzog-Johann-Forschungspreis 2006:

Herr Univ.-Prof. Dr. Wernfried HOFMEISTER (Institut für Germanistik, Karl-Franzens-Universität Graz) für seine eingereichte Arbeit „Hugo von Montfort - Das poetische Werk“

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Die Preisträger(innen) des Jahres 2007 und ihre ausgezeichneten Arbeiten

von li nach re: Barbara Kaiser, Landesrätin Edlinger-Ploder, Hansjörg Albrecher, Irmtraud Fischer © Land Steiermark
von li nach re: Barbara Kaiser, Landesrätin Edlinger-Ploder, Hansjörg Albrecher, Irmtraud Fischer
© Land Steiermark
  • Forschungspreis 2007:

Frau Univ.-Prof. Dr. Irmtraud FISCHER (Institut für Alttestamentliche Bibelwissenschaften, Vizerektorin für Forschung und Weiterbildung, Karl-Franzens-Universität Graz) für die eingereichte Arbeit:

„Gotteslehrerinnen. Weise Frauen und Frau Weisheit im Alten Testament"

In der Öffentlichkeit gelten Religionen heute oft als letzter Hort eines konservativen Frauenbildes, das den gesellschaftspolitischen Bestrebungen um die Gleichbehandlung der Geschlechter entgegensteht. Irmtraud Fischer hat mit dem Buch "Gotteslehrerinnen" - zusammen mit den bereits ins Amerikanische übersetzten "Gottesstreiterinnen" und den "Gotteskünderinnen" - eine Trilogie vorgelegt, die derzeit ins Französische übersetzt wird. Sie zeigt in diesen auch für breitere Kreis lesbaren Büchern auf, dass das Alte Testament zwar einer patriarchalen Kultur entstammt, jedoch erstaunlich viele Geschichten über starke Frauen erzählt. In den „Gotteslehrerinnen" legt sie die Texte über weise und Rat gebende Frauen aus, die die Staatsgeschicke mitbestimmen oder wie Managerinnen eines großen Wirtschaftsbetriebes beschrieben werden. Sie zeigt auf, dass Frauen und Männer in der Vermittlung der offiziellen Glaubenstraditionen tätig sind. Fischer gewährt Einblicke in die Texte um „Frau Weisheit", die sie nicht als depotenzierte Göttin, sondern als potenzierte Weiblichkeit Gottes deutet. Mit einer Lektüre möglichst nahe am hebräischen Text leitet sie zu einer geschlechterfairen Öffnung des biblisches Gottesbild an. Die Grundtexte des Judentums wie des Christentums erweisen sich damit als wesentlich weniger auf Männer zentriert, als dies in der Wirkungsgeschichte oft angenommen wurde. Fischers Bibellektüre ist ein Inkulturationsversuch in eine Zeit und Gesellschaft, die Gendermainstreaming als Instrument für alle Entscheidungen im öffentlichen Bereich vorsieht.

  • Förderungspreis 2007:

Univ.-Prof. DI Dr. Hansjörg ALBRECHER (Institut für Mathematik, Technische Universität Graz) für die eingereichte Arbeit:

"Ruin probabilities and aggregate claims distributions for shot noise Cox processes"

Die Forschungsarbeit beschäftigt sich mit dem Studium der Ruinwahrscheinlichkeit von Versicherungsportefeuilles. Wie kann eine Versicherungsgesellschaft überleben, also solvent bleiben, wenn sie auf Grund einer Naturkatastrophe plötzlich untypisch viele Schadenzahlungen zu leisten hat? Mit welcher Prämienstrategie wird Ruin mit welcher Wahrscheinlichkeit verhindert? Für ein Modell, in dem die Anzahl der Schadensfälle mit einem Shot-Noise Cox Prozess stochastisch modelliert wird, werden in dieser Arbeit klassische Resultate der Risikotheorie erweitert und das asymptotische Verhalten der Ruinwahrscheinlichkeit sowohl für exponentiell beschränkte Einzelschadensverteilungen wie auch für Großschäden bei endlichem und unendlichem Zeithorizont untersucht. Es stellt sich heraus, dass unter Verwendung zahlreicher analytischer und wahrscheinlichkeitstheoretischer Techniken explizite Ergebnisse für das asymptotische Verhalten von Ruinwahrscheinlichkeiten in diesem erweiterten Modell erzielt werden können, die eine vollständige Klassifikation erlauben. Weiters werden Gesamtschadensapproximationen hergeleitet. Schließlich werden die Resultate auf den Fall eines Portfolios verallgemeinert, in dem auf Grund zu geringer Schadenserfahrung die Prämien für neue Verträge immer am laufenden Schätzwert für die Schadensgrößen angepasst werden.

 

  • Erzherzog-Johann-Forschungspreis 2007:

Frau Dr. Barbara KAISER für die eingereichte Arbeit

"Monographie Schloß Eggenberg"

Schloß Eggenberg ist ein einzigartiges Gesamtkunstwerk des frühen Barock.
Architektur und Ausstattung verbinden sich hier zu einer komplexen symbolischen Darstellung des Universums, das Weltgebäude eines gelehrten Staatsmanns.
Die neue Residenz des kaiserlichen Statthalters Hans Ulrich von Eggenberg war politische Architektur, anspruchsvolle Legitimation für die Herrschaft einer Familie. So ist das Haus als riesiges Gleichnis erbaut, in dem der Bauherr seine Utopie einer geordneten Welt in einer Epoche von Chaos und Auflösung formuliert.
Mittelpunkt dieses vielschichtigen Gedankengebäudes ist ein kostbares Ensemble historischer Interieurs : ein Gesamtkunstwerk mit einer beeindruckenden Fülle von Darstellungen aus der klassischen Mythologie, der antiken wie biblischen Historie, zugleich Panorama der Universalgeschichte wie Tugendspiegel im Geiste des Barock.
Für kurze Zeit begegnen einander hier Landesgeschichte und Weltgeschichte.
Der Band unternimmt erstmals den Versuch, diese komplexe Bildwelt zu erklären und das umfangreiche Wissen um Gebäude, Ausstattung und Gärten, deren Auftraggeber und Künstler zusammenzuführen und für den modernen Betrachter lesbar zu machen.
Er stellt damit einen wichtigen Beitrag zur Grundlagenforschung des frühneuzeitlichen Schlossbaus in Österreich dar, und tritt dem Umstand, dass Eggenberg im Kontext der österreichischen Kunstgeschichte immer noch nicht ausreichend und seiner Bedeutung gemäß gewürdigt wird, entgegen. Es ruft in Erinnerung, dass die Anfänge der genuin österreichischen Barockmalerei nicht in Salzburg und Wien, sondern mit dem Meisterwerk des Hofmalers Weissenkircher im Eggenberger Planetensaal zu finden ist.

Die Preisträgerin und die Preisträger 2008 und ihre ausgezeichneten Arbeiten

Forschungspreisverleihung, 5. Dezember 2008. Von li nach re: Christian Enzinger, Claudia Ambrosch-Draxl,  Landesrätin Kritsina Edlinger-Ploder, Carlos Watzka © Land Steiermark
Forschungspreisverleihung, 5. Dezember 2008. Von li nach re: Christian Enzinger, Claudia Ambrosch-Draxl, Landesrätin Kritsina Edlinger-Ploder, Carlos Watzka
© Land Steiermark
  • Forschungspreis des Landes Steiermark 2008:

Univ.-Prof.in Mag.a DDr.in Claudia Ambrosch-Draxl (Lehrstuhl für Atomistic Modelling and Design of Materials, Montanuniversität Leoben) für die eingereichte Arbeit:

"Importance of Van Der Waals Interaction for Organic Molecule-Metal Junctions: Adsorption of Thiophene on Cu(110) as a Prototype"

Die hohe Flexibilität von organischen Molekülen ermöglicht organische Halbleiter mit völlig neuen und noch unerforschten Einsatzmöglichkeiten in der Optoelektronik. Doch dieser Vorteil kann nur dann gezielt genutzt werden, wenn ihre - im Vergleich zu ihren "anorganischen Kollegen" bedeutend höhere - Komplexität besser verstanden wird aufgrund von aufwändigen Berechnungen, die Geschick und Kreativität verlangen. Die vorliegende, in den hoch angesehenen Physical Review Letters veröffentlichte Publikation ist für die Funktion organischer Halbleiter von entscheidender Bedeutung, da sie wesentliche neue Erkenntnisse zum Verständnis der Wechselwirkungen an den Grenzflächen zwischen einem Metall und organischem Material liefert: In der Arbeit konnte gezeigt werden, dass die schwache van-der-Waals Kraft allein ausreichen kann, um organische Moleküle auf einer Metalloberfläche zu halten, zum Beispiel für die Bindung des organischen Moleküls Thiophen auf einer Kupferoberfläche. Gleichzeitig zeigt sich auch, dass in diesem System keine Ladung zwischen den Atomen des organischen Moleküls und des Trägermaterials transferiert wird. Diese Ergebnisse der Grundlagenforschung auf atomarer Längenskala sind auch für die moderne Elektronik mit organischen Bauelementen eine wichtige Erkenntnis. Aufgrund ihrer Schwäche wurden van-der-Waals Kräfte in diversen Berechnungsmethoden der computerorientierten Materialphysik bisher nie berücksichtigt, was sich nun vermutlich ändern wird: Die neuen Daten erweitern nicht nur unser grundlegendes Verständnis für die Wechselwirkungen an Grenzflächen, sondern erfordern nebenbei auch die Neuberechnung zahlreicher publizierter Ergebnisse auf diesem Gebiet.

  • Förderungspreis des Landes Steiermark 2008: 

Privatdozent Dr. Christian Enzinger (Universitätsklink für Neurologie, Medizinische Universität Graz) für die eingereichte Arbeit:

"Functional MRI Correlates of Lower Limb Function in Stroke Victims With Gait Impairment"

Jährlich erleiden ungefähr 20.000 Österreicher einen Schlaganfall, das bedeutet ein Schlaganfall alle 6 Minuten. Schlaganfall gilt als Hauptursache bleibender Behinderung im Erwachsenenalter, wobei die Immobilität infolge von Beinlähmung ein besonderes Problem darstellt. Neueste Forschungserkenntnisse belegen, dass die Wiederherstellung von Funktionen nach Schädigungen des Gehirns zumindest teilweise auch durch Umlernvorgänge der Bewegungskontrolle erreicht werden kann. Forschern der Universitätsklinik für Neurologie der Medizinischen Universität Graz um Christian Enzinger gelang in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford anhand der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) der Nachweis, dass die unversehrte Hemisphäre des Gehirns bei der Vermittlung der Bewegung eines infolge eines Schlaganfalls gelähmten Beins für die verletzte Seite des Gehirns bis zu einem gewissen Grad „einspringen" kann. Diese Ergebnisse belegen die Sinnhaftigkeit der Neurorehabilitation und ermutigen überdies zu intensiver Suche nach Möglichkeiten, derartige Prozesse in Zukunft gezielt mittels Trainings oder auch spezieller Medikamente zu fördern.

  • Erzherzog-Johann Forschungspreis 2008:

Privatdozent Dr. Carlos Watzka (Institut für Soziologie, Karl-Franzens-Universität Graz) für die eingereichte Arbeit:

"Sozialstruktur und Suizid in Österreich. Ergebnisse einer epidemiologischen Studie für das Land Steiermark"

Die Studie von Carlos Watzka mit dem Titel „Sozialstruktur und Suizid in Österreich. Ergebnisse einer epidemiologischen Studie für das Land Steiermark" (erschienen im VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008) beschäftigt sich mit der Problematik der Selbsttötung, des so genannten „Selbstmords", und zwar unter dem speziellen Gesichtspunkt, dass im Land Steiermark seit Jahrzehnten kontinuierlich eine deutlich höhere Anzahl von Suiziden je bezogen auf die Einwohnerzahl, festzustellen ist, als in den meisten anderen österreichischen Bundesländern (nur in Kärnten ist die Lage ähnlich) - und dies, obwohl Österreich insgesamt im internationalen Vergleich eine sehr hohe Suizidrate aufweist. Daher wurde in der Untersuchung zunächst den kollektiven Ursachen für diese besondere Betroffenheit der Steiermark näher nachgegangen, mit dem Ergebnis, dass zum Teil ungünstige sozialstrukturelle Muster hierzulande dafür verantwortlich sind: Tendenziell töten sich Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau, weniger qualifizierter Berufstätigkeit und geringerem Einkommen häufiger als andere, wenn schwere persönliche Belastungen, wie seelische oder körperliche Erkrankungen oder auch Probleme in der Partnerschaft bzw. am Arbeitsplatz auftreten. Zudem sind aber auch die Betreuungsangebote im psychiatrisch-psychotherapeutisch-psychosozialen Bereich für Menschen in Krisensituationen in der Steiermark immer noch weniger dicht als in anderen Teilen Österreichs. In einem weiteren Teil der Studie wurde dann im Detail herausgearbeitet, wie häufig und in welchen Konstellationen bei den Menschen, die in der Steiermark in den Jahren 2000-2004 Suizid begangen haben, zuvor bestimmte Belastungsfaktoren aufgetreten sind. So ist nun ein genaueres Wissen über besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen vorhanden, was für künftige Verbesserungen der Suizidpräventionsmaßnahmen sehr nützlich sein kann.

Die PreisträgerInnen 2009 und ihre ausgezeichneten Arbeiten

Forschungspreisverleihung, 11. Dezember 2009; Von links nach rechts: Astrid Veronig, Peter Macheroux, Karin Gradwohl-Schlacher, Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder © Land Steiermark (Foto: Wiesner)
Forschungspreisverleihung, 11. Dezember 2009; Von links nach rechts: Astrid Veronig, Peter Macheroux, Karin Gradwohl-Schlacher, Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder
© Land Steiermark (Foto: Wiesner)
  • Erzherzog Johann-Forschungspreis des Landes Steiermark 2009

Dr.in Karin Gradwohl-Schlacher
Forschungsstelle Österreichische Literatur im Nationalsozialismus
Universitätsarchiv der Karl-Franzens-Universität Graz

für die eingereichte Arbeit
"Literatur in Österreich 1938-1945. Handbuch eines literarischen Systems. Band 1: Steiermark" (Co-Autor: Uwe Baur).

Mit dem Band Steiermark beginnt die Edition einer flächendeckenden Bestandsaufnahme der Literatur in Österreich während des Nationalsozialismus. In einem neuen Typus eines Handbuchs werden Schriftstellerinnen/Schriftsteller und Institutionen (Vereine, Preise, Peridika und Anthologien, Verlage und Theater) vernetzt dargestellt. Das erste AutorInnen-Lexikon der Steiermark tritt damit dem harmonisierenden heimatlichen Selbstverständnis entgegen, ohne in aufgeregte polemische Darstellung zu verfallen. In seiner nüchternen Wiedergabe der Fakten versucht es, die Auseinandersetzung mit der langen, und für viele Jahre herrschenden deutsch-nationalen Tradition des Landes auf eine breit angelegte, wertende Kanonbildungen vermeidende, sachliche und differenzierte Ebene zu führen. (Band 2: Kärnten erscheint voraussichtlich im Frühjahr 2010)

  • Forschungspreis des Landes Steiermark 2009 - Hauptpreis

Univ.-Prof. Dr. Peter Macheroux
Institut für Biochemie
Technische Universität Graz

für die eingereichte Arbeit:
Redox-regulated degradation of proteins by the quinone reductase - proteasome complex"

Als Stress bezeichnet man die auftretenden Alarmreaktionen, die bei über das normale Mass hinausgehender Belastung eines Organismus auftreten. Diese führen zu einer verbesserten Reaktionsbereitschaft und Widerstandskraft und dienen damit dem Überleben des Organismus. Gelingt es einem Organismus nicht sich an die aussergewöhnlichen Belastungen anzupassen kann dies zu unumkehrbaren Folgen führen, die sich in Form von schwerwiegenden Krankheiten, wie z. B. Tumorentstehung, manifestieren. Was aber passiert auf molekularer und zellulärer Ebene wenn ein Organismus sich an bestimmte Belastungen anpasst? Dieser Frage ist die Gruppe von Prof. Macheroux am Institut für Biochemie der TU Graz nachgegangen und entdeckte dabei das Zusammenspiel dreier Proteine, die gemeinsam agieren, um Schaden von der Zelle abzuwenden. Dieses Dreigestirn ist in der Lage bestimmte Stresssignale zu erkennen und eine gezielte Antwort einzuleiten, die im Wesentlichen in der Aktivierung bestimmter „Anti-Stressgene" besteht. Damit wurde ein weiterer Baustein der zellulären Stressantwort entdeckt und der Grundstein gelegt, diesen molekularen Schalter bei der Entstehung und Bekämpfung von Krankheiten näher unter die Lupe zu nehmen.

  • Förderungspreis des Landes Steiermark 2009

Priv.-Doz.in Mag.a Dr.in Astrid Veronig
Institut für Physik
Institutsbereich für Geophysik, Astrophysik und Meteorologie (IGAM)
Karl-Franzens-Universität Graz

für die eingereichte Arbeit:
X-ray diagnostics of energy release and transport in solar flare/CME events"

Die energiereichsten Ausbrüche in unserem Sonnensystem haben ihre Ursache in den starken Magnetfeldern von Sonnenflecken. Bei diesen Ausbrüchen von der Sonne kommt es zur Beschleunigung von Teilchen auf Bruchteile der Lichtgeschwindigkeit und zum Auswurf von magnetisierter Sonnenmaterie in den interplanetaren Raum mit Geschwindigkeiten von Millionen Kilometern pro Stunde. Sind diese Ausbrüche Richtung Erde gerichtet, so können sie beim Auftreffen Störungen des erdnahen „Weltraumwetters" hervorrufen. Dabei kann es unter anderem zu geomagnetischen Stürmen, Polarlichtern, Fehlern in der Elektronik und den Bahnen von Satelliten kommen. Aufgrund der zunehmenden Abhängigkeit unserer modernen Gesellschaft von satellitenbasierender Kommunikation und Technik, ist ein besseres Verständnis und Voraussagen des Weltraumwetters von hoher Relevanz. Dazu sind bessere Einsichten in die zugrunde liegenden physikalischen Prozesse auf der Sonne und die Kopplungsprozesse im interplanetaren Raum zwischen Sonne und Erde notwendig. Die vorgelegte Arbeit liefert Beiträge zu einem besseren Verständnis der explosiven Energiefreisetzung, des Energietransports, der Teilchenbeschleunigung und der Ausbreitung von solaren Massenauswürfen, basierend auf Beobachtungen der NASA- und ESA-Missionen RHESSI, SOHO und STEREO.

Die Forschungspreisträgerin und die Forschungspreisträger 2010

Verleihung des Forschungspreis des Landes Steiermark 2010. Von links nach rechts: Sepp Dieter Kohlwein, Ute Lohner-Urban, Kristina Edlinger-Ploder, Franz Pernkopf © Land Steiermark (Foto: Fischer)
Verleihung des Forschungspreis des Landes Steiermark 2010. Von links nach rechts: Sepp Dieter Kohlwein, Ute Lohner-Urban, Kristina Edlinger-Ploder, Franz Pernkopf
© Land Steiermark (Foto: Fischer)
  • Erzherzog-Johann-Forschungspreis des Landes Steiermark 2010:

    Frau Mag.a Dr.in phil. Ute Lohner-Urban (Karl-Franzens Universität Graz)

    für die Arbeit: "Untersuchungen im römerzeitlichen Vicus von Kalsdorf bei Graz".

    Aktuelle Forschungsergebnisse über die römische Siedlung von Kalsdorf bei Graz
    In den Neunziger-Jahren fanden in Kalsdorf bei Graz auf einer Fläche von 5 ha archäologische Ausgrabungen einer römischen Siedlung (lat.: Vicus) statt. Mit der anschließenden Aufarbeitung der Ausgrabung und des Fundmaterials durch Ute Lohner-Urban setzte das Institut für Archäologie der Universität Graz einen entscheidenden Forschungsschwerpunkt für den gesamten südöstlichen Teil Österreichs. Der römische Vicus von Kalsdorf ist nach der „Hauptstadt" Flavia Solva die am großflächigsten ausgegrabene römische Siedlung in der Steiermark überhaupt. Durch die Vorlage der Publikation über die Ergebnisse der Ausgrabung ist es möglich neue Aussagen über die Geschichte der Steiermark zwischen dem 1. Jh. n. Chr. bis zum 4. Jh. n. Chr. zu treffen. Das Fundmaterial aus dieser frühen Besiedlungszeit zeigt bereits, dass von den Einheimischen, die der keltischen Bevölkerungsgruppe zuzuordnen sind, die römischen Lebensgewohnheiten bereitwillig angenommen wurden. Es kam zu einer spannenden Vermischung des Kulturguts. Die Blütezeit der Siedlung ist in das 2. Jh. n. Chr. zu setzen. Durch den Zuzug römischer Bürger schritt die Romanisierung der Siedlung weiter fort. Ihre Bedeutung verlor sie Anfang des 4. Jhs. n. Chr. Die repräsentative Anzahl an Funden aus dieser Siedlung erlaubt eine sehr genaue Darstellung der zeitlichen Siedlungsabfolge. Dies erleichtert die historische Einordnung anderer steirischer Fundstellen, weshalb die Forschungsergebnisse auch für die zukünftigen archäologischen Tätigkeiten in der Steiermark wichtig sind.

  • Forschungspreis des Landes Steiermark 2010

    Univ.-Prof. DI Dr.techn. Sepp Dieter Kohlwein
    (Karl-Franzens Universität Graz)

    für die Arbeit: „Cdk1/Cdc28-dependent activation of the major triacylglycerol lipase Tgl4
    in yeast links lipolysis to cell cycle progression" (Der "geschmierte" Zell-Zyklus)

    Während ‘Fett' im öffentlichen Bewusstsein einen eher negativen Beigeschmack hat (Stichworte Übergewicht, Fettleibigkeit), konnte im Rahmen der Arbeiten gezeigt werden, dass Fette eine wichtige Rolle beim Zellwachstum und bei der Zellteilung spielen. Die zellulären Komponenten, die nowendig sind, um das Zellmaterial zu verdoppeln, stammen einerseits aus der Nahrung und andererseits aus bereits vorgefertigten ‘Bausteinen' - zB Fetten - die bei Bedarf mobilisiert werden. Fehlt es an den notwendigen Enzymen für die Fettspaltung kommt es zu einer deutlichen Verzögerung der Zellteilung, was einen entscheidenden Wachstumsnachteil darstellen kann. Während diese Untersuchungen in einem einfachen experimentellen Modellsystem - Hefe - durchgeführt wurden, ergeben sich weitreichende Konsequenzen auch für die Situation in tierischen und menschlichen Zellen: so könnte möglicherweise das Wachstum von Krebszellen durch eine medikamentöse Hemmung der Fettspaltung gebremst werden.

  • Förderungspreis für Wissenschaft und Forschung des Landes Steiermark 2010:

    Univ.-Doz. DI Dr.mont. Franz Pernkopf (Technische Universität Graz)

    für die Arbeit: „Graphical Models: Discriminative Learning, Inference, and Applications"

    Menschen produzieren heute Unmengen von Daten. Bild- und Audiodaten, wie zum Beispiel aus bildgebenden Diagnoseverfahren oder Sprachaufnahmen, sind in der Regel mit Unsicherheiten behaftet. Zur Klärung damit verbundener Fragen reichen allein logik-basierte Ansätze nicht aus. Dafür können so genannte „Graphical Models" eingesetzt werden, das ist eine probabilistische Methode zur Beschreibung und Analyse von Daten. Graphische Modelle verbinden die Wahrscheinlichkeitstheorie mit der Graphentheorie. Diskriminative Lernverfahren für diese Modelle ermöglichen es, Wirklichkeit, repräsentiert durch statistische Daten, noch präziser abzubilden. So werden höhere Genauigkeiten in vielfältigen Anwendungsbereichen erzielt. Mit der vorliegenden Arbeit wurden diskriminative Struktur- und Parameterlernmethoden entwickelt, die die Vorteile von hervorragender Prädiktions-Performance, kontinuierlicher Interpretierbarkeit, simpler Implementation und geringer Rechenkomplexität vereinen. Sie kommen transdisziplinär etwa in der Neuroinformatik, den Kognitionswissenschaften, der Robotik und der Phonetik bzw. Linguistik zum Einsatz. Graphische Modelle sind damit unverzichtbar für „intelligente Systeme", die aus der modernen Welt nicht mehr wegzudenken sind.

Forschungspreisträger 2011

von links nach rechts: Karl Acham, Kristina Edlinger-Ploder, Tobias Eisenberg, Andreas Dorschel   © Land Steiermark
von links nach rechts: Karl Acham, Kristina Edlinger-Ploder, Tobias Eisenberg, Andreas Dorschel
© Land Steiermark
  • Erzherzog-Johann Forschungspreis des Landes Steiermark 2011:

em. o. Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c. Karl Acham (Institut für Soziologie, Karl-Franzens-Universität Graz)

für die eingereichte Arbeit:
,,Kunst und Wissenschaft aus Graz, 3 Bde. Wien-Köln-Weimar: Böhlau 2007-2011‘‘

Die drei unter dem Reihentitel „Kunst und Wissenschaft aus Graz" zwischen 2007 und 2011 erschienenen und von Karl Acham herausgegebenen Bände beziehen sich in 111 Beiträgen, davon 29 vom Herausgeber, auf die Themenbereiche
• Naturwissenschaften, Medizin und Technik;
• Kunst und Geisteswissenschaften;
• Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.
Sie umspannen den Zeitraum vom 15. bis zum ausgehenden 20. Jahrhundert, beginnend mit dem Astronomen Kepler, dem Architekten Fischer von Erlach, dem Musiker Fux, dem Mediziner Auenbrugger, dem Orientalisten Hammer-Purgstall, den Juristen Zeiller und Jenull, dem Geologen Mohs, den Technikern Engerth und Tesla, den Philosophen Riehl und Meinong, sowie den Sozialwissenschaftlern Gumplowicz und Schumpeter - um nur einige besonders bedeutsame zu nennen. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei dem im Jahr 1811 gegründeten Joanneum als der innovativsten Institution im steirischen Kulturleben geschenkt, es kommen aber auch aktuelle wissenschaftstheoretische und wissenschaftspolitische Fragen zur Sprache. - Das mit zahlreichen Illustrationen und Literaturhinweisen versehene Sammelwerk macht deutlich, daß Graz einmal zu den herausragenden kulturellen Zentren Europas zählte, obschon die mit der Gegenreformation verbundenen Protestantenvertreibungen einen ungeheuren künstlerischen und intellektuellen Aderlass bewirkten - dem vergleichbar, was die rassistischen und politischen Verfolgungen des 20. Jahrhunderts für das österreichische Kulturleben bedeuteten. Stolz auf eine große Vergangenheit ist allerdings zu wenig. So dürfen auch jene zehn Forscher, denen während, vor oder nach ihrer in Graz ausgeübten Tätigkeit der Nobelpreis zuerkannt wurde, wie eine ganze Reihe namhafter Künstler und Gelehrter auch, nicht zum Anlass der eitlen Selbstbespiegelung oder der genüsslichen Nostalgie werden. Vielmehr sollte uns der Rückblick auf sie und andere dazu verhelfen, die Denkweisen und die Umstände ins Auge zu fassen, die solche großen Leistungen hervorbrachten, um danach auch in einer veränderten Welt dazu beizutragen, in ihrem Geist Ähnliches möglich zu machen.

  • Forschungspreis des Landes Steiermark 2011:

Univ.-Prof. Dr.phil. Andreas Dorschel (Institut für Musikästhetik, Kunstuniversität Graz)

für die eingereichte Arbeit:
„Verwandlung. Mythologische Ansichten, technologische Absichten"

Um die Gegenwart und damit uns selber zu verstehen, müssen wir manchmal in die Vergangenheit schauen. Ideen kommen von weit her und leben auch von dem, was sie einmal waren. In modernen Gesellschaften ist oft und gern die Rede von ‚Transformationen‘ - zum Beispiel den ‚Transformationen‘ einer sozialen, politischen oder ökonomischen Ordnung. Mit ‚Transformation‘ meint man, dass nicht bloß etwas an einer Sache anders wird, sondern dass sie selber eine andere wird. Den Ausdruck hat schon die römische Kultur geprägt; in seinen beiden Bestandteilen stellt er die wörtliche Übersetzung des älteren griechischen Nomens ‚Metamorphose‘ dar. ‚Metamorphose‘ ist die Grundfigur des Mythos. Ihr Kompendium hat um die Zeitenwende ein Römer geschrieben, Ovid in seinen Metamorphosen. Die mythologische Idee der Metamorphose ist das erste von vier Konzepten der Verwandlung, die in überraschender Weise aneinander anknüpfen. Sie sind das Thema von Andreas Dorschels vergleichender Untersuchung Verwandlung. Mythologische Ansichten, technologische Absichten. Die weiteren großen historischen Fallstudien des Buches gelten der christlichen Vorstellung einer Transfiguration, dem Programm der Transmutation in der Alchimie, und dem Konzept der Transformation in der Biologie vom 19. Jahrhundert bis hin zu den aktuellen Entwicklungen der Gentechnologie. Der Umbau der Idee über 2000 Jahre hin lässt sich nicht ohne weiteres als Fortschritt beschreiben. Verloren hat die Idee der Verwandlung seit Ovid an Kraft, Vieldeutigkeit zu ertragen, Befremdendes auszuhalten und einer Mehrzahl von Perspektiven zugänglich zu sein.

  • Förderungspreis des Landes Steiermark 2011

Dr.rer.nat. Tobias Eisenberg (Institut für Molekulare Biowissenschaften, Bereich Mikrobiologie)

für die eingereichte Arbeit:
„Induction of autophagy by spermidine promotes longevity", Nat Cell Biol 11, 1305-1314 (2009).

Im Zuge seiner Forschungsarbeit am Institut für Molekulare Biowissenschaften der Karl-Franzenz-Universität Graz konnte Dr. Tobias Eisenberg in Zusammenarbeit mit Prof. Frank Madeo eine lebensverlängernde Wirkung des natürlich vorkommenden Polyamins Spermidin aufdecken. Spermidin findet sich nicht nur in allen menschlichen Körperzellen, sondern ist auch im Tier- und Pflanzenreich stark verbreitet und damit täglicher Bestandteil unserer Nahrung. Herr Eisenberg zeigte in seiner Arbeit, dass Spermidin die sogenannte Autophagie ankurbelt, einem ‚Aufräum-Prozess‘, der Zellen von geschädigten Bestandteilen befreit (z.B. defekte Proteine oder defekte Organellen wie Mitochondrien) und damit vor gefährlichen Schäden schützt. Dies führt nicht nur zur Langlebigkeit von Hefezellen, sondern verlängert ebenso die Lebensspanne von Würmern, Fliegen und menschlichen Immunzellen und vermindert Alters-bedingte Proteinschädigungen im Blut von Mäusen. Diese Ergebnisse könnten schon bald für die klinische Forschung höchst relevant werden, z.B. bei Alterserkrankungen wie Alzheimer und Parkinson. Diese Neurodegenerationen, dem Abbau von Nervenzellen durch Zelltod, entstehen -so vermutet man- durch Ablagerung von verklumpten Proteinen in Nervenzellen. Wie andere Studien zeigen, schützt eine Aktivierung der Autophagie in verschiedenen Tiermodellen vor Neurodegeneration. Der schützende Prozess der Autophagie steht aber auch im Zusammenhang mit vielen weiteren Krankheiten, wie z.B. Herz-Kreislauf Erkrankungen und Krebs, weshalb die pharmakologische Aktivierung von Autophagie als vielversprechender Therapieansatz zur Bekämpfung dieser Krankheiten diskutiert wird.

Die Forschungspreisträgerin und die Forschungspreisträger 2012

Von li nach re: Roland Brunner, Kristina Edlinger-Ploder, Edda Engelke, Gottfried Kirchengast © raggam photography
Von li nach re: Roland Brunner, Kristina Edlinger-Ploder, Edda Engelke, Gottfried Kirchengast
© raggam photography

Um den hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet der Forschung sichtbare Anerkennung zu verschaffen und sowohl etablierte als auch junge steirische Wissenschafterinnen und Wissenschafter in verstärktem Maße zu wissenschaftlichen Leistungen anzuregen, werden die Forschungspreise sowie der Förderungspreis des Landes Steiermark alljährlich verliehen.

Bei der Preisverleihung in der Grazer Burg (7. Dezember 2012) gratulierte Wissenschaftslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder der Preisträgerin und den Preisträgern: „Wissenschafter müssen mehr leisten, als nur ihr Wissen zu vermehren. Sie haben auch die Aufgabe, dieses Wissen der Gesellschaft verständlich zu vermitteln. Denn", so Edlinger-Ploder weiter „Wissenschaft und Forschung sind für zwei Drittel unseres Wohlstandes verantwortlich. In der öffentlichen Wahrnehmung ist das noch nicht überall angekommen!"

Die Forschungspreise des Landes sind mit insgesamt 33.000 Euro dotiert.

 

Erzherzog-Johann-Forschungspreis 2012:
Mag.a Dr.in Edda Engelke (Freiberufliche Historikerin)

für die eingereichte Arbeit:
„Jeder Flüchtling ist eine Schwächung der Volksdemokratie"

Das südsteirische Grenzland war in den Fünfzigerjahren die erste Station für eine große Zahl von Menschen, die aus verschiedenen Motiven ihr Heimatland Jugoslawien auf illegalem Wege verlassen hatten. Die Volksrepublik Jugoslawien war in den Nachkriegsjahren ein unterentwickeltes Agrarland mit riesigen Problemen beim Wiederaufbau. Titos konsequente Einführung eines sozialistischen Staates war verbunden mit der Verfolgung politischer Gegner und mit wirtschaftlicher Not. Tausende Menschen versuchten diesem System zu entkommen und „in den Westen" zu gelangen. Sie überschritten illegal die jugoslawisch-österreichische Grenze im steirischen Grenzabschnitt und meldeten sich bei den österreichischen Behörden als AsylwerberInnen. Bis 1955 spielte die britische Besatzungsmacht eine entscheidende Rolle, als souveräner Staat musste die Republik Österreich ihren eigenen Weg in der Flüchtlingspolitik finden.

Der Aktenbestand über diesen Flüchtlingsstrom liegt im Steiermärkischen Landesarchiv und bildet die Basis für die vorliegende Studie. Nur wenige Menschen waren Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention und dennoch erhielt die Mehrheit der Ankommenden ein Bleiberecht, das oft nur zeitlich begrenzt war, um die Auswanderung nach Übersee vorzubereiten. Ein zahlenmäßig kleiner Teil wurde (aus unterschiedlichen Gründen) abgeschoben. Die Unterlagen über die Erstaufnahme wie auch über die Entscheidungen der österreichischen Behörden geben einen Einblick in die frühen Jahre der österreichischen Asylpolitik und sie beleuchten eine bisher unbekannte Welt: was spielte sich im Grenzstreifen im Nachbarland Jugoslawien in den Fünfzigerjahren ab?

 

Forschungspreis des Landes Steiermark 2012:
Univ.-Prof. Dr. Gottfried Kirchengast
(Wegener Zentrum für Klima- und Globalen Wandel, Karl-Franzens-Universität Graz)

für die eingereichte Arbeit:
,,Climate Benchmark Profiling of Greenhouse Gases and Thermodynamic Structure and Wind from Space"

Mit der ausgezeichneten Arbeit ist dem Klimaforscher Gottfried Kirchengast eine Revolution in der Messung von Treibhausgasen gelungen. Der Leiter des Wegener Zentrums für Klima und Globalen Wandel an der Universität Graz hat mit seinem Team eine völlig neue Methode entwickelt, die es erstmals möglich macht, die Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre langfristig und äußerst genau weltweit zu messen. Gleichzeitig liefert das System auch exakte Daten der zentralen Klimavariablen Temperatur, Druck, Feuchte und Wind. Die Methode beruht auf Satellitenmessungen mit Hilfe von Mikrowellen- und Infrarotlaser-Signalen, die beim Durchqueren der Atmosphäre gerade so beeinflusst werden, dass sich daraus die Treibhausgase und anderen Schlüsselvariablen des Klimawandels ableiten lassen. Diese bahnbrechende Entwicklung ermöglicht tiefere Einsichten in die globalen Klimaänderungen und könnte zur Referenzmethode für das Monitoring des Klimawandels in der Atmosphäre im 21. Jahrhundert werden.

Kirchengast hatte die zündende Idee bereits Ende 2004. Jedoch war die Methode so neuartig, dass es jahrelanger Pionierarbeit bedurfte bis es Mitte 2011 endlich soweit war: die Methode wurde nach vielen strengen Evaluationen erstmals publiziert - und mittlerweile auch bei einem ersten Experiment auf den Kanarischen Inseln erfolgreich getestet.

 

Förderungspreis des Landes Steiermark 2012:
Dr. Roland Brunner
(Montanuniversität Leoben bzw. Materials Center Leoben ForschungsgmbH.)

für die eingereichte Arbeit:
,,Two-Qubit Gate of Combined Single-Spin Rotation and Interdot Spin Exchange in a DoubleQuantum Dot"

Unsere jetzige Computertechnologie stößt an ihre Leistungsgrenzen: Problemstellungen in den Materialwissenschaften, der Medizin, der Biologie etc. verlangen dass immer größere Datenmengen immer schneller verarbeitet werden müssen. Eine mögliche Lösung um mehr Rechenkraft zu generieren bietet der Quantencomputer. Dieser soll Rechenaufgaben in kürzester Zeit lösen können, für die herkömmliche Computer Jahre benötigen würden. Der Quantencomputer schöpft seine Rechenkraft aus der Quantenmechanik, die es erlaubt eine Vielzahl von Informationen simultan zu verarbeiten. Herkömmliche Computer speichern ihre Daten in einem Bit. Anders beim Quantencomputer: Hier wird als Maßeinheit für die Datenmenge ein Quantenbit (oder Qubit) verwendet, dass durch quantenmechanischen Zustände charakterisiert wird. Durch gezielte Manipulation des Quantenzustands lässt sich die Information verarbeiten - also logische Operationen durchführen. Eine Herausforderung stellt die physikalische Realisierung eines Quantencomputers dar. Ein Qubit kann durch den Elektronen Spinzustand in einem Halbleitermaterial realisiert werden. Solche Halbleiter Qubits bieten eine skalierbare Hardwareplattform - ein großer Technologievorteil. Die eingereichte Arbeit, welche in der Zeitschrift Physical Review Letters veröffentlicht wurde, hat erstmals gezeigt, dass nicht nur mit einem Elektronen Spin Qubit logische Operationen durchführbar sind, sondern auch mit zwei in Reihe angeordneten Spin Qubits. „Ein wichtiger und notwendiger Schritt in Richtung Realisierung eines Elektronen - Spin basierenden Quantencomputers" heißt es dazu in Physics, einer Zeitschrift der American Physical Society.

Forschungspreisträger/in 2013

Kristina Edlinger-Ploder, Rudolf Zechner, Ellen Heitzer, Heimo Halbrainer © Heimo Roschitz
Kristina Edlinger-Ploder, Rudolf Zechner, Ellen Heitzer, Heimo Halbrainer
© Heimo Roschitz
Die Forschungspreise 2013 wurden am 6. Dezember 2013 von Wissenschaftslandesrätin Mag.a Kristina Edlinger-Ploder feierlich verliehen; sie sind mit insgesamt 32.700 Euro dotiert.

Erzherzog Johann-Forschungspreis 2013:

Mag. Dr. Heimo Halbrainer (Institut für Geschichte, Karl-Franzens-Universität Graz) für die eingereichte Arbeit:

„Die Eisenstraße 1938 - 1945. NS-Terror-Widerstand-Neues Erinnern.
Archiv der Namen. Ein papierenes Denkmal der NS-Opfer aus dem Bezirk Leoben (2 Bände im Schuber)"

Entlang der Eisenstraße findet man die gesamte Bandbreite menschlichen Handelns unter Zwangsbedingungen, vom militärischen Widerstand gegen das NS-Regime über das Mitläufertum mit der nationalsozialistischen Obrigkeit bis hin zum Massenmord an ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern im April 1945. Das Buch über die Eisenstraße 1938 bis 1945 dokumentiert den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, der sich im Laufe der Zeit immer mehr steigerte und ab 1943 mit Anschlägen das nationalsozialistische Regime zu stören versuchte und im Mai 1945 dafür sorgte, dass die Alpine Donawitz gemäß dem so genannten „Nero-Plan" nicht zerstört wurde. Es zeigt aber auch die Verfolgungen und das Massaker an ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter am Präbichl. Zudem gibt es Auskunft, wie nach der Befreiung vom NS-Regime 1945 mit der nationalsozialistischen Zeit in der Region umgangen wurde, wie erinnert wurde und ob und wie die NS-Verbrechen geahndet wurden. Darüber hinaus werden über 500 Opfer des NS-Regimes (Widerstandskämpfer und -kämpferinnen, Jüdinnen und Juden, Deserteure, KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter) biografisch vorgestellt.

Forschungspreis des Landes Steiermark 2013:

Univ.-Prof. Dr. Rudolf Zechner (Institut für Molekulare Biowissenschaften, Karl-Franzens-Universität Graz) für die eingereichte Arbeit

„Adiponutrin Functions as a Nutritionally Regulated Lysophosphatidic Acid Acyltransferase"

Die übermäßige Speicherung von Lipiden in der Leber, landläufig als Leberverfettung bekannt, ist der Ausgangspunkt für schwere und extrem häufige Erkrankungen wie z. B. die alkoholische und nicht-alkoholische Lebererkrankung, Leberentzündungen und Leberzirrhose. Die extrem rasante Zunahme der Diagnose Fettleber als Folge von Übergewicht und Fettleibigkeit stellt eine große medizinische Herausforderung in praktisch allen westlichen Ländern dar. Schon im Jahr 2008 hat eine Gruppe der Univ. Texas in Dallas auf Basis genetischer Studien festgestellt, dass Menschen mit bestimmten Strukturvarianten des Proteins Adiponutrin besonders häufig an Leberverfettung erkranken. Obwohl diese Studie inzwischen vielfach repliziert wurde, blieb der eigentliche Mechanismus wie Adiponutrin in den Fettstoffwechsel eingreift unklar. In der mit dem Forschungspreis des Landes Steiermark ausgezeichneten Arbeit konnte die Gruppe des Preisträgers die biochemische Funktion von Adiponutrin aufklären und zeigen, dass die pathogene Struturvariante des Adiponutrin zu vermehrter Fettsynthese führen kann. Die Ergebnisse lieferten damit einen plausiblen Mechanismus für die Leberverfettung beim Menschen und wurden in einem international höchst angesehenen Journal (Cell Metabolism) veröffentlicht.

Förderungspreis des Landes Steiermark 2013:

Univ.-Ass. Mag.a Dr.in Ellen Heitzer (Institut für Humangenetik, Medizinische Universität Graz) für die eingereichte Arbeit

„Tumor associated copy number changes in the circulation of patients with prostate cancer identified through whole-genome sequencing"

Ein wesentliches Ziel in der modernen Krebsforschung ist neben der frühzeitigen Diagnosestellung, die Etablierung zielgerichteter, personalisierter Therapien, die effektiv gegen Tumorzellen vorgehen.
Ein Problem bei der Behandlung von Krebserkrankungen ist jedoch die Tatsache, dass sich Tumore in jedem Patienten anders verhalten und im Laufe der Zeit verändern können. Um die Evolution der Tumore zu verfolgen und so optimale Behandlungsstrategien zu entwickeln, müssen die molekularen Besonderheiten des jeweiligen Tumors bestimmt werden. Solche genetische Analysen wurden bisher jedoch nur durch Gewebebiopsien, also d durch Punktion des Tumorgewebes, vorgenommen - eine belastende und schmerzliche Untersuchung, die außerdem nur eine Momentaufnahme des Tumors zum Zeitpunkt der Biopsie darstellt. Im Gegensatz dazu wird bei der "flüssigen Biopsie" (liquid biopsy) nur eine Blutprobe des Patienten benötigt aus der dann das Tumorgenom rekonstruiert werden kann. In der eingereichten Arbeit, die in der Zeitschrift Genome Medicine veröffentlicht wurde, wurde aus dem Blutplasma von Prostatapatienten das Erbgut der Tumore isoliert. Die Charakteristika des Tumorgenoms wurden errechnet und - bei Wiederholungen in gewissen Zeitabständen - konnten Änderungen der für die Erkrankung verantwortlichen Gene erfasst werden. Diese von uns etablierte „Plasma-Seq" Methode ermöglicht somit eine genetische Charakterisierung von Tumoren zu unterschiedlichen Zeitpunkten nicht nur beim Prostatakarzinom, sondern auch bei vielen anderen Krebsarten. Ein nicht-invasives Monitoring der Tumorevolution kann maßgeblich zur individuellen Risikoabschätzung, zur Identifizierung von neuen prädiktiven Biomarkern, die anzeigen ob ein zielgerichtetes Medikament überhaupt wirkt, und zur frühzeitigen Erkennung von Resistenzmechanismen beitragen.

Forschungspreisträger 2014

Von li nach rechts Martin Moll, Udo Thiel, Stefan Freunberger, Christopher Drexler © Foto: Thomas Fischer
Von li nach rechts Martin Moll, Udo Thiel, Stefan Freunberger, Christopher Drexler
© Foto: Thomas Fischer
Die Forschungspreise 2014 wurden am 5. Dezember 2014 von Wissenschaftslandesrat Mag. Christopher Drexler feierlich verliehen; sie sind mit insgesamt 32.700 Euro dotiert. 

Erzherzog Johann-Forschungspreis 2014:

Univ.-Doz. Dr. Martin Moll (Institut für Geschichte, Karl-Franzens-Universität Graz) für die eingereichte Arbeit:

"Die Steiermark im Ersten Weltkrieg.
Der Kampf des Hinterlandes ums Überleben 1914-1918"

Martin Moll entwirft in diesem Buch das erste fundierte Gesamtpanorama des hochindustrialisierten, zweisprachigen Kronlandes Steiermark während der vier langen Kriegsjahre 1914 bis 1918. Basierend auf einer dichten Quellenbasis wird anschaulich geschildert, wie der mörderische Kampf das Leben der Zivilbevölkerung und die Arbeit der Behörden weitab von den Fronten massiv in Mitleidenschaft zog. Auf dem Gebiet der Steiermark, die damals noch die mehrheitlich slowenisch sprechende Untersteiermark umfasste, fiel zwar während des Ersten Weltkriegs kein Schuss. Dennoch war dieser erste totale Krieg auch im steirischen Hinterland massiv spürbar. Schon im Sommer des ersten Kriegsjahres kam es zu einer Verfolgungswelle gegen die slowenische Bevölkerung. Im Land wurden Lager für Zehntausende Zwangsinternierte, Kriegsgefangene und -flüchtlinge errichtet sowie Lazarette installiert. Die prekäre Lebensmittelversorgung verschlechterte sich von Monat zu Monat, Hungerproteste erschütterten das Land. Die Rüstungsproduktion, die in der Steiermark einen ihrer Hauptstandorte hatte, wurde parallel dazu beeinträchtigt. Als die Monarchie im Herbst 1918 kollabierte, rührte sich kaum eine Hand, um die Einheit der Steiermark zu bewahren; das Unterland spaltete sich von Rest-Österreich ab.

Forschungspreis des Landes Steiermark 2014:

Univ.-Prof. Dr. Udo Thiel (Institut für Philosophie, Karl-Franzens-Universität Graz) für die eingereichte Arbeit

"The Early Modern Subject:
Self-Consciousness and Personal Identity from Descartes to Hume"
(Oxford University Press, 2014)"

Was ist eine Person? Ist jeder Mensch eine Person? Ist Selbstbewusstsein eine Bedingung von Personalität? Wodurch sind wir gerechtfertigt zu sagen, dass jemand zu verschiedenen Zeiten dieselbe Person ist? Diese eminent wichtigen Fragen für ganz konkrete praktische, d. i. moralisch und rechtlich relevante Zusammenhänge, etwa bei der Zurechnung von Handlungen, verweisen auf weitgefasste philosophische Problemzusammenhänge. Daher spielen die Begriffe der Person, der Identität und des Selbstbewusstseins nicht nur in der öffentlichen Diskussion beispielsweise über Fragen der angewandten Ethik eine zentrale Rolle, sondern auch in der gegenwärtigen Philosophie des Geistes. Diese philosophische Gegenwartsdiskussion wiederum ist Resultat einer langen und komplexen Entwicklung in der europäischen Geistesgeschichte, insbesondere seit der frühen Neuzeit. - Die vorliegende Arbeit unternimmt als erste eine umfassende detaillierte Analyse und kritische Bewertung dieser Entwicklung, also von mehr als 100 Jahren philosophischer Auseinandersetzungen in Frankreich, Großbritannien und Deutschland, um einen wesentlichen und innovativen Beitrag zum Verständnis und zur kritischen Würdigung sowohl der historischen als auch der gegenwärtigen systematischen Diskussionen zu leisten.

Förderungspreis des Landes Steiermark 2014:

Dipl.-Ing. Dr. sc. (ETH Zürich) Stefan Freunberger (Institut für Chemische Technologien von Materialien, Technische Universität Graz) für die eingereichte Arbeit

„"Charging a Li-O2 battery using a redox mediator"
Nature Chemistry, Vol. 5, Issue 6, 489-494 (2013)

Elektrochemische Energiespeicherung ist die Schlüsseltechnologie für den Übergang von fossilen zu erneuerbaren Energien. Lithium-Ionen Batterien haben mobile Elektronik revolutioniert und werden eine Schlüsselrolle bei der Elektrifizierung von Fahrzeugen spielen. Jedoch wird auch die Grenze der Möglichkeiten verbesserter Li-Ionen Technologie nicht die langfristigen Bedürfnisse erfüllen können. Die Lithium-Luft Batterie könnte elektrochemische Energiespeicherung revolutionieren, falls seine theoretische spezifische Energie, die jene von Li-Ionen Batterien bei Weitem übertrifft, realisiert werden kann. Darüber hinaus kommt sie gänzlich ohne sonst in Batterien übliche Schwermetalle aus. Beim Entladen bildet sich in der positiven Elektrode festes Lithiumperoxid. Der Prozess wird beim Laden umgekehrt. Eine der Haupthürden zur praktischen Umsetzung stellt gehemmter Ladungstransport im Aktivmaterial, Lithiumperoxid, dar. Dies begrenzt die real erzielbare Kapazität, Leistung, Ladedauer und Energieeffizienz. In der vorliegenden Arbeit, die im höchst renommierten Journal Nature Chemistry veröffentlicht wurde, konnte der Bewerber zeigen, dass jener gehemmte Ladungstransport erfolgreich mittels gemischt leitender Elektrolyten umgangen werden kann. Damit wurde ein großer Schritt bei diesen Schlüsseleigenschaften und so in Richtung praktischer Realisierbarkeit der Li-Luft Batterie erzielt.

Forschungspreisträger 2015

von li nach re: Peter Ruggenthaler, Monika Oberer, Christopher Drexler, Ursula Diefenbach (Preis in Empfang genommen für Wolfgang Ernst), Frank Madeo © Foto Fischer
von li nach re: Peter Ruggenthaler, Monika Oberer, Christopher Drexler, Ursula Diefenbach (Preis in Empfang genommen für Wolfgang Ernst), Frank Madeo
© Foto Fischer

Die Forschungspreise 2015 wurden am 11. Dezember 2015 von Wissenschaftslandesrat Mag. Christopher Drexler feierlich verliehen. Sie sind mit insgesamt € 36.000,00 dotiert.

Erzherzog Johann-Forschungspreis des Landes Steiermark 2015:

Univ.-Doz. Dr. rer.nat Frank Madeo (Institut für Molekulare Biowissenschaften, Karl-Franzens-Universität Graz) für die eingereichte Arbeit:

"Acetyl-CoA: A master regulator of Autophagy and Longevity"

Eine seit Jahrzehnten akzeptierte Tatsache in der Altersforschung ist die Beobachtung, dass alle bisher getesteten Organismen - von Bakterien bis Affen - gesünder altern, wenn sie durchgehend weniger Nahrung  aufnehmen. Ähnliches ergibt sich beim Fasten, wenn in periodischen Abständen die Nahrungsaufnahme ausgesetzt wird. Trotzdem waren bisher die molekularen Grundlagen dieses Anti-Aging Phänomens weitgehend unbekannt; in anderen Worten: es gab bisher keine Antwort auf die Frage „Warum ist Fasten gesundheitsfördernd bzw. sogar lebensverlängernd?" In zwei aufsehenerregenden Arbeiten konnte die Gruppe um Frank Madeo dieses Rätsel nun lösen. Wird Nahrung aufgenommen und verdaut, so werden die einzelnen Bestandteile in für den Körper brauchbare Bausteine umgewandelt. Eines der wichtigsten Bausteine ist dabei das sehr energiereiche Molekül Acetyl-CoA. Bei Nahrungsaufnahme steigt die Konzentration dieses Moleküls in den Zellen bzw. sinkt, wenn die Nährstoffzufuhr eine Zeit lang ausbleibt oder vermindert ist. Acetyl-CoA ist also eine Art Sensor, der signalisiert, wie viele Nährstoffe zur Verfügung stehen. Madeo und Kollegen konnten nun zeigen, dass die durch Fasten verminderte Acetyl-CoA Konzentration die sog. Autophagie anschaltet, eine zelluläre Selbstreinigungsmaschinerie. Dabei werden ungebrauchte, alte oder sogar gefährliche Zellbestandteile in molekularen Müllsäcken (sog. Autophagosomen) gesammelt und zum zellulären Magen, dem Lysosom, transportiert, um sie dort abzubauen. So können durch Fasten die sich während des Alterns anhäufenden Zellbestandteile wie defekte Proteine oder Mitochondrien, die eine potentielle Gefahr für die normale Zellfunktion darstellen und etwa in Alzheimer oder Krebs münden können, beseitigen. Insgesamt konnten diese Arbeiten die gesundheitsfördernden Effekte des Fastens erstmals molekular erklären. Durch die pharmakologische Manipulation der zellulären Acetyl-CoA Konzentration kann damit unter Umständen der Alterungsprozess auch beim Menschen beeinflusst werden.

Forschungspreis des Landes Steiermark 2015:

Dekan Univ.-Prof. Dipl.-Phys. Dr.rer.nat Wolfgang Erhard Ernst (Institut für Experimentalphysik, Technische Universität Graz) für die eingereichte Arbeit: 

"Kalte Moleküle für die Quantentechnologie"

Mittels einer einzigartigen Methode, die er aus den USA mitgebracht hat, erzeugt Wolfgang Ernst knapp über dem absoluten Nullpunkt (-273°C) winzige Tröpfchen aus Helium mit einem Durchmesser von etwa 5 Nanometern. Auf deren Oberfläche oder im Inneren können Atome gezielt angeordnet und zur Reaktion gebracht werden, was zu bisher nicht zugänglichen, vormals unerforschten Molekülen und Clustern führt, hier erstmalig aus Rubidium und Strontium (RbSr) sowie aus Rubidium und Calcium (RbCa). Die Suprafluidität der Tröpfchen, ein quantenmechanischer Effekt ähnlich der Supraleitung, spielt hier eine wichtige Rolle. Die Untersuchung der Eigenschaften der so erzeugten kalten Moleküle - ebenfalls eine Herausforderung - gelang mit Lasermethoden begleitet von eigenen theoretischen Rechnungen.

Kalte Moleküle sind ein hochaktuelles spannendes Gebiet, zeigen sie doch in Gaswolken im Kollektiv quantenmechanisches Verhalten. Zweiatomige Moleküle mit elektrischem und magnetischem Dipolmoment wie die beiden Neulinge sind besonders interessant für die Quanteninformationstechnologie, so z.B. die Entwicklung eines Quantencomputers.

Die Arbeit wurde am 29. November 2014 von der Presse" (Wien) vorgestellt; die American Physical Society führte auf ihrer Frühjahrstagung in San Antonio (Texas) im März 2015 einen Film über die Forschung im Institut von Prof. Ernst vor.

Das Projekt wurde gefördert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und aus Mittel des Landes Steiermark.

Förderungspreise des Landes Steiermark 2015:

1. Assoz.-Prof.in Mag.a Dr.in rer.nat Monika Oberer (Institut für Molekulare Biowissenschaften, Karl-Franzens-Universität Graz) für die eingereichte Arbeit:

"A Peptide Derived from G0/G1 Switch Gene 2 Acts as Noncompetitive Inhibitor of Adipose Triglyceride Lipase"

Der menschliche Körper speichert überschüssige Energie in Form von Triglyzeriden welche vornehmlich im Fettgewebe gelagert werden. Triglyzeride können bei Bedarf wieder in ihre Fettsäuren aufgespalten werden, die dann z.B. als Energiequelle dienen. Nahrungsüberschuss und geringe körperlicher Betätigung stören das Gleichgewicht zwischen Aufbau bzw. Abbau der Fettdepots und führen zu verschiedenen chronischen Krankheiten. Diese belasten die einzelnen betroffenen Menschen, das Gesundheitswesen und wirken sich auch sehr negativ auf unsere Volkswirtschaft aus. Im Fettabbau spielt das in Graz entdeckte Protein Adipozyten Triglyzerid Lipase, kurz ATGL, eine Schlüsselrolle. Das Protein G0S2 (G0/G1 Switch Gene 2) greift regulierend in den Fettabbau ein, indem es hemmend auf die Aktivität von ATGL wirkt. Es stellt somit einen zentralen Ansatzpunkt in der Regulation des Fettstoffwechsels dar und beherbergt hohes therapeutisches Potential. In der Studie ist es gelungen, ein kurzes, 33 Aminosäuren-umfassendes Peptid aus dem Protein G0S2 zu isolieren welches bereits in physiologisch relevanten, nanomolaren Konzentrationen eine völlige Hemmung der ATGL Aktivität erzielt. Diese Inhibierung ist sehr spezifisch für ATGL und erfolgt durch einen nicht-kompetitiven Mechanismus. Somit träg die Arbeit bei, die Regulation von ATGL durch G0S2 besser zu verstehen und öffnet Wege zu neuen Therapieansätzen bei Störungen des Fettstoffwechsels.

 

2. Priv.-Doz. Mag. Dr.phil Peter Ruggenthaler (Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung) für die eingereichte Arbeit:

"The Concept of Neutrality in Stalin´s Foreign Policy, 1945-1953"

Dem Buch "The Concept of Neutrality in Stalin´s Foreign Policy", das in der Harvard Cold War Studies Book Series erschienen ist, basiert auf der Habilitationsschrift des Verfassers an der Universität Graz. Es ist damit auch die erste Monographie eines österreichischen Zeithistorikers, die an der Harvard-Universität publiziert wird.

Das Buch basiert auf jahrelangen Forschungen in russischen Archiven und zeichnet ein klares Bild der Teilung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Autor widerspricht der weit verbreiteten Auffassung, dass die Einrichtung einer neutralen Zone von Staaten - inklusive Deutschland - zwischen Ost und West real gewesen wäre. Die Sowjetunion unter Stalin war entschlossen, die Kontrolle über ihren eigenen Einflussbereich auf deutschem Gebiet zu erhalten. Das Buch bietet damit auch wichtige Einblicke in die Entstehung des Kalten Krieges und des globalen Wettstreites mit den daraus resultierenden Folgen.

Forschungspreisträgerinnen und -Preisträger 2016

Preisverleihung am 13. Jänner 2017_von li nach re: Christopher Drexler, Julia Langer, Karl Steininger, Ernst Albegger, Nina Schalk, Anton Lang © Foto: Fischer
Preisverleihung am 13. Jänner 2017_von li nach re: Christopher Drexler, Julia Langer, Karl Steininger, Ernst Albegger, Nina Schalk, Anton Lang
© Foto: Fischer

Die Forschungspreise 2016 wurden am 13. Jänner 2017 von Wissenschaftslandesrat Mag. Christopher Drexler feierlich verliehen. Sie sind mit insgesamt € 36.000,00 dotiert.

Erzherzog-Johann Forschungspreis 2016  (Dotation EUR 12.000,00):

Mag. Dr. Ernst ALBEGGER für die eingereichte Arbeit:

"Avifauna Steiermark - Die Vögel der Steiermark"

Die „Avifauna Steiermark" ist mit 880 A4-Seiten die bisher umfangreichste je in Österreich im Bereich Ornithologie erstellte Publikation. In einem Zeitraum von dreieinhalb Jahren hat ein zwölfköpfiges Autorenteam (Hauptautoren Dr. Albegger, O. Samwald, Univ.-Prof. Dr. Pfeifhofer) unter Leitung von Dr. Albegger das gesamte Wissen über die steirische Vogelwelt zusammengetragen und ausgewertet. Als Datengrundlage fungierte das Archiv von BirdLife Steiermark (489.000 Datensätze), die gesamte wissenschaftliche und jagdliche Literatur zur steirischen Avifauna (beginnend im frühen 19. Jahrhundert) sowie vogelkundliche Sammlungen der verschiedenen Museen des Landes. Zentralen Bestandteil bilden die insgesamt 378 Artkapitel, die detaillierte Angaben zur Verbreitung, Bestandsentwicklung und Gefährdung (Rote Liste) der heimischen Brutvogelarten sowie zum Vorkommen von Durchzüglern, Gastvögeln und Gefangenschaftsflüchtlingen beinhalten. Jedes Artkapitel enthält eine oder mehrere Abbildungen der betreffenden Vogelart (insgesamt 863 Farbfotos) sowie je nach Bedarf grafische Darstellungen zu jahreszeitlichem Auftreten und Bestandsentwicklung. Für die Brutvögel sowie für einige Wintergäste sind insgesamt 220 Verbreitungskarten abgebildet. Ringfundkarten zeigen, wo in der Steiermark beringte Vögel weltweit wiedergefunden wurden und wo in der Steiermark im Rahmen von Beringungsprojekten gefangene Vögel herkamen. Neben den Arttexten beinhaltet das Buch eine Beschreibung der Geschichte der steirischen Ornithologie (beginnend mit den ersten Aufzeichnungen im 13. Jahrhundert), der langjährigen Monitoringprojekte der steirischen Landesgruppe von BirdLife Österreich, der steirischen Geografie im Allgemeinen sowie der aus ornithologischer Sicht bedeutendsten Gebiete des Landes. Mit dem vorliegenden Buch existiert nun erstmals ein Gesamtwerk über die Vogelwelt der Steiermark, das sowohl Experten als auch Laien ausführliches Wissen vermitteln und dem Naturschutz als wertvolle Grundlage dienen kann.

Forschungspreis des Landes Steiermark 2016 (Dotation EUR 12.000,00):

ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Karl STEININGER (Institut für Volkswirtschaftslehre und Wegener Center für Klima und Globalen Wandel, Karl-Franzens-Universität Graz) für die eingereichte Arbeit:

"Economic Evaluation of Climate Change Impacts"

Als Gesellschaft wird uns zunehmend bewusst, wie sehr die Anpassung an den bereits ausgelösten Klimawandel uns regional vor Herausforderungen stellt, die dann am besten lösbar sind, wenn sie umgehend angegangen werden. Als Entscheidungsgrundlage dafür ist die ökonomische Bewertung dieser Auswirkungen essentiell, wie sie in Österreich zuvor nur für einzelne Regionen und Sektoren vorlag, in Studien, die zudem nicht vergleichbar waren. In der Arbeit „Economic Evaluation of Climate Change Impacts" (publiziert bei Springer) wird eine Methode entwickelt zur Bestimmung der ökonomischen Auswirkungen des Klimawandels - international erstmals in diesem Detailgrad und umfassend für ein ganzes Land. Mit der Anwendung dieser Methode für Österreich kann gezeigt werden, dass allein die schon monetär bewertbaren Schäden in Österreich zur Mitte des Jahrhunderts jährlich im Durchschnitt die Größenordnung etwa der 2016 in Kraft getretenen Steuerreform erreichen - allerdings dann nur zu finanzieren und ohne Entlastung, und dies jedes Jahr. Der Detailgrad der Analyse der Auswirkungen des Klimawandels in Österreich zeigt zudem wesentlich genauer die Handlungsoptionen in der Anpassung auf und zielt darauf ab, einer entsprechenden Prioritätensetzung für die Anpassung zugrunde zu liegen.

Lesen Sie mehr auf Externe Verknüpfung http://coin.ccca.at

Förderungspreis des Landes Steiermark 2016 (Dotation EUR 6.000,00):

Dipl.-Ing. Dr. Julia LANGER, BSc (Institut für Chemische Technologie von Materialien, Technische Universität Graz) für die eingereichte Arbeit:

"An Unexpected Pathway: 6Li-Exchange NMR Spectroscopy Points to Vacancy-Driven Out-of-Plane Li-Ion Hopping in Crystalline Li2SnO3"
("Ein unerwarteter Pfad: 6Li Austausch-NMR-Spektroskopie deckt die leerstellengesteuerte Li-Ionenbewegungen in kristallinem Li2SnO3 auf")

Tragbare elektronische Geräte, wie z.B. Mobiltelefone oder Notebooks, sind aus unserem jetzigen Leben kaum noch wegzudenken. Sie haben zu einem erheblichen Teil unsere Kommunikation beschleunigt und sorgen täglich für einen rasanten Informationsaustausch rund um die Welt. Batterien sind das Herz dieser Geräte; sie übernehmen die elektrische Energieversorgung. Die heutzutage leistungsfähigsten Energiespeicher nutzen die enorm hohe Beweglichkeit von geladenen Lithium-Atomen aus.  Lithium-Ionen sind klein und aufgrund ihrer einfach positiven Ladung in einigen kristallinen Stoffen hoch beweglich. In einem sogenannten schnellen Ionenleiter wechselt ein Teilchen einige Milliarden Male seinen Kristallplatz in einer Sekunde. In weniger leitfähigen Stoffen sind es einige tausend Sprünge. Diese Sprungraten präzise zu erfassen - und damit ein Fenster für das Design neuer Materialien für Energiespeichersysteme zu eröffnen - ist das Thema des Fachartikels von Julia Langer. Mit Hilfe ausgefeilter Techniken der kernmagnetischen Resonanz­spektroskopie gelang es ihr, nicht nur die Sprungraten in der Modellsubstanz Li2SnO3 äußerst präzise zu messen, sondern auch den zugrundeliegenden Wanderungspfad der Li-Ionen aufzuspüren - ihn praktisch sichtbar zu machen. Grundlagenorientierte Studien dieser Art sind unverzichtbar, wenn es uns gelingen soll, neue Funktionsmaterialien für moderne Speicher zu entwickeln, die elektrische Energie aus regenerativen Quellen nutzen.

Förderungspreis des Landes Steiermark 2016 (Dotation EUR 6.000,00):

Dipl.-Ing. Dr. Nina SCHALK (Lehrstuhl für Funktionale Werkstoffe und Werkstoffsysteme, Department Metallkunde und Werkstoffprüfung, Montanuniversität Leoben) für die eingereichte Arbeit:

"Oxynitride - eine neue Werkstoffklasse mit maßgeschneiderten funktionalen Eigenschaften"

Die Werkstoffklasse der Oxynitride hat hohes Potential, um im Bereich multifunktionaler Schichten neue Horizonte zu eröffnen. Durch die gezielte Einstellung des Sauerstoffgehaltes können maßgeblich die Mikrostruktur und Bindungsverhältnisse in Oxynitridschichten und damit alle mechanischen, optischen und elektrischen Eigenschaften beeinflusst werden. Um Schichten mit maßgeschneiderten Eigenschaften für unterschiedliche Anwendungsgebiete wie z.B. Solarthermie oder TFT-Displaytechnologien herstellen zu können, ist es unerlässlich ein bisher nicht ausreichend vorhandenes, grundlegendes Verständnis der Synthese-Struktur-Eigenschafts-Beziehungen zu entwickeln. Daher liegt der Fokus dieser Arbeit auf der Schaffung der Grundlage zur wissensbasierten Einstellung der chemischen Bindungsstruktur, um die Eigenschaften exakt an die jeweilige Anwendung anpassen zu können. Zu diesem Zweck wurde eine Serie von TiAlON Schichten mit Zusammensetzungen von der Nitrid- zur Oxidseite abgeschieden. Die Untersuchung der Schichten in Bezug auf ihre Zusammensetzung, Mikrostruktur und chemische Bindungsstruktur erlaubte es grundlegende Zusammenhänge mit ihren mechanischen und optischen Eigenschaften zu erforschen.


Weil „Sience-Busters-Familienmitglied" Martin Puntigam im Herbst bei der Verleihung des Inge-Morath-Preises für Wissenschaftspublizistik 2016 leider verhindert war, bekam er den mit 5000 Euro dotierten Preis an diesem Tag nachträglich überreicht. Mehr über den Inge Morath-Preis.....

Forschungspreisträgerinnen und -Preisträger 2017

von li nch re: Barbara Eibinger-Miedl, Christoph Aistleitner, Heidrun Zettelbauer, Ulrich Hohenester © Foto Fischer
von li nch re: Barbara Eibinger-Miedl, Christoph Aistleitner, Heidrun Zettelbauer, Ulrich Hohenester
© Foto Fischer

Die Forschungspreise 2017 wurden am 15. Dezember 2017 von Wissenschaftslandesrätin MMag. Barbara Eibinger-Miedl feierlich verliehen. Sie sind mit insgesamt € 36.000,00 dotiert.


Erzherzog-Johann Forschungspreis 2017  -  Dotation EUR 12.000,--

Ass.-Prof.in Priv.-Doz.in Mag.a Dr.in Heidrun Zettelbauer
Institut für Geschichte, Karl-Franzens-Universität Graz

für die eingereichte Arbeit:

"Sich der Nation ver|schreiben. Politiken von Geschlecht und nationaler Zugehörigkeit in autobiographischen Selbsterzählungen von Akteurinnen des völkischen Milieus"

Die Studie „Sich der Nation ver|schreiben" befasst sich mit Prozessen der individuellen politischen Sozialisation von weiblichen Akteurinnen im Kontext der politischen Rechten von 1890 bis 1960 in der Steiermark. Untersucht wird ein politisches Milieu, in dem nicht nur rigorose rassistische und antisemitische Ausgrenzungspolitiken entwickelt wurden, sondern weibliche politische Tätigkeit immer auch mit dem Konzept der „politikunfähigen Frau" konfrontiert war. In fünf exemplarischen Fallstudien wird der Frage nachgegangen, wie weibliche Aktivistinnen und Sympathisantinnen deutschnational-völkischer bzw. nationalsozialistischer Politik ihr individuelles Engagement wahrnahmen, auf welche Weise sie politische Vorgaben und Geschlechternormen in ihre eigene Lebensgeschichte integrierten und wie sie in autobiographischen Texten zugleich selbst Varianten frauenspezifischer Sozialisation erzeugten. Beleuchtet wird, aus welchen Motiven, auf welche Weise und mit welchen Argumenten ihre Identifikation mit nationalistischen/nationalsozialistischen Politiken erfolgte. Die Studie zeigt zugleich, welchen Nutzen weibliche Akteurinnen individuell und kollektiv aus ihrem politischen Engagement zogen, welche politischen Programme der Ausgrenzung und Ungleichheit sie als Journalistinnen, Autorinnen, Lehrerinnen oder Wissenschaftlerinnen entwickelten. Sichtbar wird, auf welche Weise weibliche Akteurinnen in rechten politischen Kontexten individuell agierten und wie sie ihre Lebensentwürfe mit völkischer Politik in Einklang brachten.


Forschungspreis des Landes Steiermark 2017 - Dotation EUR 12.000,--

ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Ulrich Hohenester
Institut für Physik, Karl-Franzens-Universität Graz

für die eingereichte Arbeit:

"Mapping vibrational surface and bulk modes in a single nanocube"

Licht ist elektromagnetische Strahlung mit einer Frequenz, die das menschliche Auge wahrnehmen kann. Wenn Ionen - das sind elektrisch geladene Atome oder Moleküle - schwingen, tun sie das mit einer niedrigeren Frequenz im Infrarot-Bereich, jenseits des sichtbaren Spektrums. In der ausgezeichneten Arbeit ist es Ao. Univ. Prof. Dr. Ulrich Hohenester und seiner Gruppe in Kooperation mit Kollegen an der Rutgers University in New Jersey/USA erstmals gelungen, die Schwingungen eines Ionengitters im Detail sichtbar zu machen und damit in einen bisher verborgenen Bereich der Physik vorzudringen. Möglich wurden diese Blicke in die Nanowelt durch eine neue Generation von Elektronenmikroskopen mit extrem hoher räumlicher und spektraler Auflösung. Auf Basis dieser Einsichten sind vielfältige innovative Anwendungen denkbar, von hauchdünnen Strukturen, die Räume schalldicht machen, bis hin zu thermoelektrischen Bauelementen, mit denen sich die Abwärme unseres Körpers zur Energieversorgung von tragbaren elektronischen Geräten nutzen lässt. Die aktuellen Erkenntnisse wurden Ende März 2017 in dem Fachjournal „Nature" publiziert.


Förderungspreis des Landes Steiermark 2017 - Dotation EUR 12.000,--

Assoc. Prof. Dipl.-Ing. Dr. Christoph Aistleitner
Institut für Analysis und Zahlentheorie, Technische Universität Graz

für die eingereichte Arbeit:

"Lower bounds for the maximum of the Riemann zeta function along vertical lines"

Schon seit Jahrtausenden sind Mathematiker von den Primzahlen fasziniert, also jenen Zahlen die sich nicht ohne Rest durch andere Zahlen teilen lassen (wie etwa 2,3,5 und 7 - hingegen sind 4 und 6 keine Primzahlen). Jede ganze Zahl lässt sich auf eindeutige Weise als Produkt von Primzahlen schreiben - die Primzahlen sind also gewissermaßen die Bausteine, aus denen alle anderen Zahlen gemacht sind. Es ist bekannt, dass die sogenannte Riemannsche zeta-Funktion viele (für Mathematiker) wichtige Informationen über die Primzahlen enthält. Die Riemannsche Vermutung, die etwas darüber aussagt an welchen Stellen die zeta-Funktion den Wert Null annimmt, gilt seit über hundert Jahren als das wichtigste ungelöste Problem der Mathematik. Obwohl viele der besten Mathematiker an dieser Vermutung gearbeitet haben (und obwohl für die Lösung ein Preisgeld von einer Million Dollar ausgeschrieben wurde), ist sie immer noch offen und eine Lösung scheint nicht absehbar zu sein. Die mit dem Förderungspreis des Landes Steiermark ausgezeichnete Arbeit von Christoph Aistleitner liefert einen wichtigen neuen Beitrag über das Verhalten der Riemannschen zeta-Funktion. Seine Ergebnisse sagen zwar nichts darüber aus, an welchen Stellen die Funktion den Wert Null hat, geben aber Auskunft darüber wie oft die Funktion außergewöhnlich große Werte annimmt. Diese Ergebnisse wurden in den Mathematischen Annalen, einer der führenden mathematischen Fachzeitschriften, publiziert. Diese Veröffentlichung hat international für Aufsehen gesorgt, weil eine Methodik verwendet wurde die in der Fachwelt bis dahin für undurchführbar gehalten wurde. Die von Aistleitner entwickelten Methoden wurden inzwischen von anderen internationalen Wissenschaftlern aufgenommen und verfeinert, und haben zu teils spektakulären neuen Ergebnissen geführt.

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